Bürgerschaftsabgeordneter für Lokstedt, Niendorf und Schnelsen | Wissenschaft & Digitale Wirtschaft

Derzeit absolviert Luca Leon Abels vom Gymnasium Bondenwald ein Praktikum in meinem Bürgerbüro. Als Schüler der 11. Klasse am Gymnasium Bondenwald interessiert er sich für Politik und Journalismus – und für seinen Stadtteil Schnelsen. Im Rahmen seiner Tätigkeit habe ich ihn gebeten, einmal aufzuschreiben, was er mit seinem Stadtteil verbindet.

 


Die meisten haben gute Erinnerungen an ihre frühe Kindheit. Häufig sind es Eindrücke, die ein Leben lang bleiben: das Spielen im Park, das Besuchen von Grundschulfreunden, sogar die Grundschule selbst sind oftmals einige der schönsten Erfahrungen die ein Mensch hat. Und diese Erfahrungen werden auch immer mit einem Ort verbunden sein: der Spielplatz mit der Reifenschaukel, die kleinen Seen und noch kleineren Inseln im Park, die oft genug zu Piratenfestungen wurden, oder der Kiosk an der Bushaltestelle, bei dem hart Erspartes den Besitzer wechselte. Oder eben die Nachbarschaft, in der man wohnte.

Für mich sind solche Erinnerungen ein Großteil dessen, was ich mit meinem Stadtteil verbinde. Das liegt einerseits daran, dass ich wohl eine tolle Kindheit hatte. Andererseits aber auch daran, dass es in Schnelsen nicht viel mehr gibt, was man sonst damit verbinden könnte. Und genau da liegt das Problem.

Wenn man als Jugendlicher meines Alters an einem normalen Dienstagmittag von der Schule nach Hause fährt, wird man wenig Gleichaltrige finden. Man sieht die gelegentliche junge Familie, die mit Kinder- und Bollerwagen zu einem Sommerfest fahren, ein paar Grundschüler vielleicht, die sich mit Freunden zum Fußballspielen treffen, und eine Handvoll Rentner, die ihren mittäglichen Verdauungsspaziergang tätigen. Das ist zwar kein schlechtes Bild, aber eines, in dem die für mich entscheidende Demographie fehlt: meine eigene.

Wenn ich mich mit Freunden treffen, dann tun wir das in der Innenstadt, um grundlos überteuerte Burger in stylischen Restaurants zu essen, deren gesamte Zielgruppe, Kundschaft und Geschäftsführung unter Fünfundzwanzig ist. Und danach geht man in die Europa Passage, und falls man immer noch Hunger hat, holt man sich dort halt nen Döner. So angenehm ruhig und herrlich entspannt es in Schnelsen auch sein kann, dass ist nicht das, was meine Altersgruppe sucht.

Das heißt aber nicht, dass Schnelsen ein schlechter, uninteressanter oder gar gescheiterter Stadtteil sei. Ganz im Gegenteil. Die weitläufigen Wohngebiete mit wenig befahrenen Straßen, die großen Spielplätze und noch größeren Parkanlagen machen diesen Stadtteil ideal für die erwähnten jungen Familien mit kleinen Kindern. Wo hätte ein Kind mehr Möglichkeiten, stundenlang mit Freunden zu spielen, mit so viel Distanz zur eigenen Wohnung, dass die Eltern zerbrechliche Vasen nicht in Sicherheit bringen müssen? Und wo kann man besser den Nachmittag auf einer Bank verbringen, Enten füttern und sich einreden, dass man in Hamburg so etwas wie Sonne genießen würde?

Jeder Stadtteil passt sich an die Leute an, die in ihm leben. Während die Innenstadt höher wächst und sich zu einem kulturellen Kochtopf entwickelt, bedienen die umliegenden Gebiete diejenigen, die sich weniger für von Leuchtreklamen erhellten Nächte begeistern können. Ich bin froh, meine Kindheit in Schnelsen gehabt zu haben. Und wenigstens die Busanbindung ist hier ausgezeichnet.