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Der 23. Juni 2016 wird in die europäische Geschichte eingehen. Erstmals entschied sich ein Mitgliedsland der Europäischen Union gegen die Gemeinschaft – eine knappe Mehrheit der britischen Bürger befürwortete in einem Referendum des Austritt Großbritanniens aus der Union.

Die Auswirkungen sind noch nicht absehbar, jedenfalls wird es einschneidende Veränderungen geben. Ein weiter so kommt nicht in Frage, wenn wir den Nationalisten und Rechtspopulisten in vielen Mitgliedsstaaten nicht Wasser auf die Mühlen gießen wollen. Deshalb müssen nun schleunigst Verhandlungen eingeleitet werden, um die Entflechtung zwischen dem UK und der EU sauber vorzunehmen.

Deutschland verliert mit dem Vereinigten Königreich einen starken Partner mit vielfach ähnlichen wirtschaftspolitischen Grundüberzeugungen innerhalb der EU. Dennoch wird die Zusammenarbeit zukünftig nicht eingestellt werden. Wirtschaftspolitisch sind derzeit mehrere Modelle der Kooperation denkbar: eine Zusammenarbeit im Europäischen Wirtschaftsraum (Norwegen-Modell), bilaterale Handelsabkommen (Schweizer-Modell), ein Freihandelsabkommen (Kanada-Modell), eine Zollunion (Türkei-Modell) oder eine Zusammenarbeit über die Regelungen der Welthandelsorganisation (WTO). Eine EU-Mitgliedschaft “light” kann es dabei nicht geben.

Schockierend ist jedoch nicht nur der Ausgang des Referendums, sondern das Verhalten der Brexit-Befürworter. Mit populistischen Thesen und der nationalen Karte wurde für einen Austritt aus der EU geworben. Vom einem neu erstarkendem Commonwealth wurde gar geträumt. Jetzt passiert das Gegenteil. Schottische Politiker sträuben sich mit starken Worten gegen den EU-Austritt – kaum verwunderlich, hat doch eine deutliche Mehrheit der Schotten für den Verbleib in der EU gestimmt. Nicola Sturgeon, Schottlands Erste Ministerin, twitterte heute am Morgen, dass Sie auf dem Weg nach Brüssel sei, um Schottlands Platz in Europa zu verteidigen.

Die negativen Auswirkungen des Referendums wollen die Befürworter des Brexit nun auf höchst abenteuerliche Weise lindern.  So wird der Regionalratsvorsitzende von Cornwall aus dem Südwesten Englands in der FAZ mit folgendem Satz zitiert: “Nachdem wir jetzt wissen, dass Großbritannien die EU verlässt, werden wir schnelle Schritte unternehmen, um sicherzustellen, dass die britische Regierung die Situation Cornwalls in allen Verhandlungen schützt.” Bislang bekommt die Region pro Jahr 60 Millionen Pfund von der EU. Diese Summe will man zukünftig aus London haben. Eine vielleicht vor Ort verständliche, dennoch abenteuerliche Vorstellung.

Tragisch wirkt dabei, dass es die Alten sind, die das Vereinigte Königreich aus der EU führen. Die über 65-Jährigen haben mit 61% für den Austritt votiert – Generationen, die es besser wissen sollten. Anders verhält es sich dagegen mit den jüngsten Wählern: die Generation 18-24 hat sich mit 75% für einen Verbleib in der europäischen Gemeinschaft ausgesprochen und wird nun um ihre europäische Zukunft betrogen. Während die Jungen zwar stark pro-europäisch wählten, beteiligten sie sich jedoch deutlich zu wenig: nur 36% der 18-24-Jährigen beteiligten sich an dem Votum. Dagegen nahmen 83% der Britten über 65 Jahren an der Abstimmung teil.

Hamburg gilt über Deutschland hinaus als very British, was hier bitte positiv verstanden werden soll. Über 5.000 Briten leben in unserer Stadt, jährlich kommen rund 150.000 Touristen von den britischen Inseln dazu. Das Hamburger Abendblatt hat vor einiger Zeit ein paar Fakten zusammengetragen, die gerade vor dem Hintergrund des Brexit deutlich machen, welche Chance und welche Verantwortung auf Hamburg zukommt. Nun ist auch der SPD-geführte Senat in der Verantwortung. Doch wie ich bereits 2013 in einem Gastbeitrag für Die Welt schrieb, fehlt es den internationalen Beziehungen unserer Stadt an Impulsen.

Ein positives Signal setzt dabei in diesen Tagen das ZDF-Politikbarometer. Demnach waren wir Deutschen noch nie so zufrieden mit Europa wie derzeit. Das soll auch so bleiben. Gemeinsam mit der Jungen Union und der CDU, die sich beide Ihrer europäischen Verantwortung, insbesondere aber auch den Chancen der Europäischen Gemeinschaft für Hamburg und Deutschland bewusst sind, werde ich mich weiter mit Nachdruck für unsere Europäische Union einsetzen.

Europa sichert uns Frieden und Freiheit, eine hohe Bildung sowie kulturellen, sozialen und wirtschaftlichen Wohlstand. Derweil gewinnen China und Indien an globaler Schlagkraft und wollen immer häufiger die Spielregeln bestimmen. Russlands Zukunft ist dagegen ungewiss. Der IS-Terror bedroht schließlich die Welt in bislang unbekannter Dimension. Nicht nur, aber gerade auch im Interesse der jungen Generation müssen wir deshalb umso stärker an der europäischen Zukunft arbeiten – auch mit Großbritannien. Wer mich gerade jetzt dabei begleiten und unterstützen möchte, ist herzlich Willkommen.

 

Foto: www.pixabay.com

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