Bürgerschaftsabgeordneter für Lokstedt, Niendorf und Schnelsen | Wissenschaft & Digitale Wirtschaft

Digitale Desinformation – hinter diesem etwas sperrigen Begriff verbirgt sich ein komplexes Thema, das in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewonnen hat. Die Konrad-Adenauer-Stiftung hat dazu eine lesenswerte Übersicht mit zentralen technischen Begriffen erstellt und ich möchte den Ball aufgreifen und die Risiken für unsere Demokratie näher beleuchten, die dieses Thema mit sich bringt.

Gefahr für die Demokratie – ist das nicht ein wenig zu weit ausgeholt? Ich glaube nicht, denn Demokratie heißt freie und faire Wahlen, und dafür müssen alle Bürger die Chance haben, sich objektiv informieren zu können, um die richtige Wahlentscheidung treffen zu können. Eigentlich ist hier das Internet dafür sehr gut geeignet, denn man kann kostenlos die Wahlprogramme der Parteien herunterladen, sich über Termine informieren, oder über Social Media direkt mit Politikern ins Gespräch kommen.

Durch die Verbreitung der digitalen sozialen Medien informieren sich mehr und mehr Bürger über Facebook & Co. Da viele der Plattformen nur sehr wenig überprüfen, ob die veröffentlichten Inhalte der Wahrheit entsprechen, entsteht hier jedoch ein großes Problem. Bei vergangenen Wahlen wie in den USA 2016 oder in Frankreich 2017 wurden gezielte Desinformationskampagnen auf Facebook und anderen sozialen Medien gestartet, die bewusst Falschinformationen in Umlauf gebracht haben, um einen Kandidaten zu diskreditieren. Dabei wurde auch nicht davon zurückgeschreckt, durch Cyber-Attacken Netzwerke zu hacken, um sensible Informationen über Personen zu stehlen. Die Herausforderung im Kontext der Bundestagswahl 2017 beleuchtet auch die umfangreiche Studie der Stiftung Neue Verantwortung “Fakten statt Fakes“.

Bei digitalen Desinformationskampagnen wird häufig auf so genannte Social Bots gesetzt. Unter diesen Bots versteht man Profile in den sozialen Netzwerken, die nicht von einem Mensch gesteuert werden, sondern von einer Software. Diese Software kontrolliert dabei nicht nur einen Bot, sondern gleich hunderte oder tausende und kann so in sozialen Netzwerken durch eigene Beiträge, Likes oder dem Teilen anderer Beiträge suggerieren, dass eine breite Mehrheit hinter den jeweiligen (Falsch-) Meldungen steht. Durch den Fortschritt im Bereich der künstlichen Intelligenz werden Bots zunehmend geschickter darin, menschliches Verhalten zu imitieren und wirken somit echt.

Ein weiteres Problem stellen so genannte Filterblasen dar. Diese entstehen bei Facebook dadurch, dass im Newsfeed vorzugsweise Nachrichten und Posts von Freunden angezeigt werden, mit denen man viele Gemeinsamkeiten hat und deren Meinung man teilt. So werden einem in sozialen Netzwerken oft nur Nachrichten und Meinungen präsentiert, die mit der eigenen Anschauung übereinstimmen – man lebt sprichwörtlich in einer Blase. Dahinter steckt eine Mischung aus Nutzerverhalten und angewendetem Algorithmus. Welche weiteren Probleme das mit sich bringt und wie es genau zu diesen Filterblasen kommt, habe ich in einem Beitrag hier zusammengefasst.

Was können wir dagegen tun? Unser Verhalten beeinflusst, was uns angezeigt wird. Es hilft daher, sich auch mal in kontroverse Diskussionen einzubringen, selbst wenn die eigene Meinung gefühlt zu einer Minderheitenposition gehören mag. Zudem sollte jeder Nutzer fragwürdige Informationen in sozialen Netzwerken selbst kritisch hinterfragen. Gerade Social Bots entlarven sich häufig durch falsche Grammatik oder fehlende Umlaute in ihren Posts. Ein Gegencheck der präsentierten Fakten mit einer anderen Quelle schadet außerdem nie. Hier muss aber auch die Politik tätig werden und für eine bessere Überprüfbarkeit von Fakten sorgen und wissentliche Verbreitung von Falschmeldungen härter verfolgen.

Datenschutz und Datensicherheit müssen ebenso wie Datensouveränität neu geregelt werden, um den Missbrauch der persönlichen Daten für maßgeschneiderte Fake-News zu verhindern. Ohnehin steht Facebook als weltweit größtes Netzwerk in diesen Tagen heftig für den Umgang mit Nutzerdaten am Pranger. Deswegen freue ich mich, dass die neue Bundesregierung in ihrem Koalitionsvertrag dem Datenschutz weiterhin eine hohe Priorität einräumt.

Ich bleibe bei dem Thema am Ball und möchte mich für Lösungen einsetzen. Denn für mich stehen bei den sozialen Medien immer noch die Chancen im Vordergrund – hier komme ich oft und unkompliziert mit Bürgern ins Gespräch. Deswegen ist es mir ein Herzensanliegen, dass die sozialen Medien nicht zu einer politisch vergifteten Umgebung werden. Welche Ideen haben Sie zu dem Thema? Ist Ihnen schon einmal eine Desinformationskampagne aufgefallen? Tauschen wir gerne unsere Erfahrungen aus, entweder per Mail – oder natürlich über Facebook.

Leave a reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.