Bürgerschaftsabgeordneter für Lokstedt, Niendorf und Schnelsen | Wissenschaft & Digitale Wirtschaft

Peru ist ein Land im Umbruch. Jüngst erregte ein Zusammenprall der Institutionen, verbunden mit einer Verfassungskrise und dem Ringen um die demokratische Zukunft des Landes, einmal mehr internationale Aufmerksamkeit. Die peruanische Öffentlichkeit ist derweil zunehmend an solche politischen Dramen gewöhnt, verhält sich, als sei nichts geschehen.

Die politische Krise auf nationaler Ebene soll jedoch nicht davon ablenken, wie schnell sich das Land entwickelt, die Digitalisierung als Chance für Dezentralisierung und Föderalismus begreift und konsequent nutzt. Ende Oktober hatte ich einmal wieder die Gelegenheit mich dazu mit peruanischen Kommunalpolitikern auszutauschen, die auf Einladung der Konrad-Adenauer-Stiftung zu Gast in Deutschland waren. Darunter war auch George Forsyth, früher die Nummer 3 im Tor von Borussia Dortmund und heute Bürgermeister von La Victoria, einem der bevölkerungsreichsten Bezirke der peruanischen Hauptstadt Lima.

Ein Blick auf die letzten Regional- und Kommunalwahlen im Oktober 2018 verdeutlicht bereits die Komplexität Perus: Mehr als 14.000 Autoritäten wurden vor einem Jahr neu gewählt, darunter 25 Gouverneure und deren Stellvertreter sowie 1.862 Bürgermeister auf verschiedenen Verwaltungsebenen. Viele der neu gewählten Politiker setzen auf Digitalisierung und Innovation. Dabei geht es auch um die Weiterentwicklung des peruanischen Staatsmodells hin zu einem dezentralen, föderalen und subsidiären Gebilde – ein langer und komplexer Prozess.

Das Programm der Delegation beschäftigte sich daher insbesondere mit Fragen der Dezentralisierung und gab die Möglichkeit, den deutschen Föderalismus aus der Nähe kennenzulernen. Als Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft berichtete ich vom Strukturwandel unserer Hafenstadt, hin zum Heimathafen für digitale Innnovationen. Dabei beleuchteten wir im gemeinsamen Gespräch insbesondere die Rolle von Universitäten und Hochschulen, aber auch Förderprogramme für Unternehmensgründungen und Startups. Für die peruanischen Politiker spannende Ansätze, um Städte und Regionen zu stärken und damit ein Stück weit unabhängiger vom zentralistisch organisierten Nationalstaat zu machen.

Hamburg hat hier sicherlich noch viel Luft nach oben, insbesondere was die Transformation unserer Hochschulen zu Keimzellen der Gründerszene oder die internationale Vernetzung angeht. Dennoch hat sich in den vergangenen Jahren ein spannendes Ökosystem an der Elbe entwickelt, welches durch den Mix von privaten und staatlichen Akteuren durchaus beispielgebend wirken kann.

Der Austausch mit den peruanischen Kommunalpolitikern knüpft dabei an mein Engagement an, neue Brücken zwischen dem Andenstaat und unserer Freien und Hansestadt Hamburg zu bauen. Anfang dieses Jahres besuchte ich das Land zum widerholten Mal. Auf Einladung der Konrad-Adenauer-Stiftung ging es zum Thema Safe and Smart City sowohl nach Lima, als auch in die auf 2.750 Metern über dem Meeresspiegel gelegene Provinzhauptstadt Cajamarca.

In Cajamarca war ich eingeladen, um Vorträge über Digitalisierung, Unternehmertum und politische Kommunikation vor Vertretern der Provinzregierung zu halten. Der Ende 2018 neu gewählte Gouverneur Mesias Guevara empfing mich dabei mit unerwarteten Ehren und überreichte mir eine Auszeichnung als Ehrengast der Provinz. Bei weiteren Terminen vor Ort war es interessant zu erfahren, wie konsequent zukünftig auf die digitale Vermarktung der Region als Tourismusdestination gesetzt werden wird. Im Gespräch mit Gouverneur Guevara teilten wir unsere Ideen und Ansätze für die Förderung von Startups.

Im Rahmen meiner Peru-Reise konnte ich mich darüber hinaus erneut mit Vertretern der Universidad del Pacifico über Ausgründungen und Blockchain-Projekte austauschen – zwei zentrale Themen meiner Arbeit in der Hamburgischen Bürgerschaft. Auch eine Diskussion mit Nachwuchspolitikern der PPC, ein Treffen mit Vertreter der jüdischen Gemeinde und ein Gespräch mit deutschen Unternehmern in Peru gehörte zu meinem Programm.

Ein schöner Abschluss der Reise war der Besuch im Museo de Arte de Lima (MALI), dem weltberühmten Kunstmuseum der Hauptstadt. Wer einmal in der peruanischen Hauptstadt ist, sollte hier unbedingt vorbeischauen und ausreichend Zeit einplanen. Ein großer Dank geht einmal mehr an die Konrad-Adenauer-Stiftung, Sebastian Grundberger und sein Team in Lima, für die exzellente Organisation des Dialogprogramms und die tolle Arbeit vor Ort.

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