Bürgerschaftsabgeordneter für Lokstedt, Niendorf und Schnelsen | Wissenschaft & Digitale Wirtschaft

Zu Jahresbeginn hatte ich den Hamburger Senat befragt, wie er die Entwicklung der Drohnentechnologie einschätzt und welche Maßnahmen er für sinnvoll erachtet, bzw. ergreift, um beispielsweise die Sicherheit rund um den Hamburger Flughafen zu gewährleisten und Straftaten durch den Einsatz von Drohnen zu vermeiden. Die Antwort war damals recht dünn ausgefallen.

Deshalb habe ich dem Senat zum Jahresende noch einmal auf den Zahn gefühlt, wie es mittlerweile um das Thema Drohne in Hamburgs Wirtschaft und Wissenschaft bestellt ist. Immerhin ist unsere Stadt der drittgrößte zivile Luftfahrtstandort weltweit. Ein starker Fokus auf die unbemannte Luftfahrt würde also sehr gut passen und die Industrie fit für die Zukunft machen.

So gibt der Senat auf meine Schriftliche Kleine Anfrage (Drucksache 21/6932) bekannt, dass es beispielsweise im Studiengang Flugzeugbau der HAW Hamburg einige Module gibt, die sich mit Aspekten der Drohnentechnologie beschäftigen. Konkrete Ausbildungsberufe gibt es zwar noch nicht, aber die Claussen Simon Stiftung hat zuletzt in Kooperation mit der FOM Hochschule für Ökonomie und Management ein Angebot für Oberstufenschüler entwickelt, um sie für die Thematik zu begeistern. Weitere wissenschaftliche Einrichtungen und Projekte kann der Senat jedoch nicht nennen. Das verwundert, denn eine kurze Internetrecherche offenbart, dass es deutlich mehr in Hamburg gibt:

So gibt es an der Northern Business School (NBS) beispielsweise bereits seit 2015 das Institut für unbemannte Systeme (IuS). Es forscht interdisziplinär zu den Feldern Wirtschaft, Recht, Sicherheit und Sozialwissenschaft im Kontext unbemannter Systeme (Fokus auf Drohnen). Das scheint einzigartig in der Hamburger Hochschullandschaft. Das IuS erstellte u.a. das Grundlagengutachten “unbemannte Luftfahrtsysteme” für das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz. Betrachtet wurden dabei insbesondere Gefahren- und Missbrauchspotentiale und der sich daraus ableitende gesetzgebende Handlungsbedarf.

Darüber hinaus gibt es die Plattform “UASympEx“, ein internationales Symposium zum Wissenstransfer, ausgerichtet durch den in Hamburg ansässigen Bundesverband für unbemannte Systeme e.V.. Die jährlich stattfindende Veranstaltung besuchten lt. Ausrichter Vertreter der Landesluftfahrtbehörde Hamburg, der Hamburger Feuerwehr und Polizei, der deutschen Flugsicherung, sowie zahlreichen nationale und internationale Unternehmen. Inhaltlich wird hier die Integration unbemannter Luftfahrtsysteme mit einhergehenden Sicherheitsaspekten und Anwendungen betrachtet. Warum der Senat diese Veranstaltung nicht nennt, bleibt schleierhaft.

Auf die Frage nach Unternehmen, die sich mit der Technologie, bzw. wirtschaftlichen Anwendungszwecken beschäftigen, zeigt sich der Senat ebenfalls schlecht informiert, bzw. wenig zukunftsorientiert. Dabei gibt es beispielsweise das Startup FlyNex GmbH, welches Software für Drohnenanwendungen entwickelt. Der Lösungsansatz wurde sogar durch das Innovationsstarter-Programm der IFB Hamburg gefördert. Auch die Firma NXP, ansässig in meinem Wahlkreis, forscht über die Verwendung von Kryptochiptechnologien zur Registrierung und Identifizierung von unbemannten Luftfahrtsystemen, welches als eine der Schlüsseltechnologien gesehen wird, um die Drohnentechnologie nachhaltig zu integrieren.

Das sind nur ein paar Beispiele aus Wissenschaft und Wirtschaft, von denen der Senat entweder keine Kenntnis hat, oder sie warum auch immer verschweigt, obwohl die Stadt teilweise selbst involviert ist. Damit vergibt der rot-grüne Senat die klare Chance, den Luftfahrtstandort Hamburg nachhaltig zu stärken. Ziel einer ganzheitlichen Wirtschaftspolitik sollte es sein, innovative Ansätze im Bereich der unbemannten Luftfahrt in Wissenschaft und Wirtschaft zu fördern und zu vermarkten.

Doch, wie das Hamburger Abendblatt berichtet, die Innovationspolitik ist offenkundig keine Stärke von SPD und Grünen: Vor zwei Jahren wollte man Hamburg noch zur 3D-Druck-Metropole ausbauen. Davon spricht heute niemand mehr. Mit dem bislang nur auf dem Papier existierenden Innovations-Wachstumsfonds sollte Hamburg Startup City werden und jetzt wollen die Regierungsfraktionen, dass wir Virtual Reality Pionierstadt werden. Alles gute Ideen, jedoch bislang mangelhaft umgesetzt und damit reine PR-Gags ohne substanzielle Auswirkungen auf Wirtschaft und Wissenschaft.

Die Drohnentechnologie, ideal zum Standort passend, vernachlässigt Rot-Grün sogar bislang komplett. Dabei gibt es für Hamburg reichlich Ansätze, die Technologie umfassend zu nutzen, z.B. für Lieferdienste, im Hafen etc.. Deshalb werde ich mich im kommenden Jahr gemeinsam mit unserer CDU-Bürgerschaftsfraktion verstärkt dem Thema zuwenden.

 

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