Bürgerschaftsabgeordneter für Lokstedt, Niendorf und Schnelsen | Wissenschaft & Digitale Wirtschaft

Tatsächlich, Heiligabend steht vor der Tür und damit auch das Weihnachtsfest. Spätestens mit dem Einzug der ersten Lebkuchenherzen in die Supermarktregale Ende August war uns allen klar: Weihnachten rückt untrüglich näher. Und das hat wirklich nichts mit Fake News zu tun. Also werden Wunschzettel geschrieben und verteilt, Planungen für die Festtage erstellt sowie darüber philosophiert, welche Größe der Weihnachtsbaum in diesem Jahr haben soll und welche Kugeln wir im letzten Jahr daran hängen hatten. An dieser Stelle sei allen besorgten Weihnachtsbaumdekorateuren im Land gesagt: die geschmückten Kunstwerke sehen eigentlich immer fantastisch aus. Und abgesehen von den Dekorateuren selbst, kann sich meist eh niemand mehr wirklich an die Farbe der Kugeln aus dem letzten Jahr erinnern. Wobei eine Frage erlaubt sein muss: War früher nicht mehr Lametta?

Die Frage des Tannenbaums hätten wir also beinahe geklärt. Zum Weihnachtsfest gehört natürlich ebenso der Kirchgang dazu. In keinem Zeitraum des Jahres sind unsere Gotteshäuser voller als an den Tagen rund um Weihnachten. Wir erinnern uns daran, dass Weihnachten ja eigentlich gar kein Konsumfest ist, sondern das Fest der Liebe, das Fest der Geburt von Jesu Christi. Und einmal mehr schauen wir uns in die Augen und denken: im nächsten Jahr sollten wir wieder netter zu unseren Mitmenschen sein, häufiger in die Kirche gehen und überhaupt, ein besserer Mensch sein. So ist das mit den guten Vorsätzen. Das Gute daran: wir können sie in jedem Jahr neu beschließen, denn sie haben immerwährende Gültigkeit.

Schließlich bewegt uns in jedem Jahr die Frage, was wir denn schenken sollten, denn Weihnachten ist auch nur einmal im Jahr. Dabei ist doch eigentlich die Frage viel spannender, wer die Geschenke überhaupt bringt. Und damit sei jetzt nicht der nette Mann von UPS oder die freundliche Paketzustellerin von Amazon gemeint. Nein, wenn wir einmal scharf nachdenken erinnern wir uns, dass es doch eigentlich der Weihnachtsmann (oder eben das Christkind) ist, von dem wir unsere Geschenke gebracht bekommen. Eine schöne Geschichte und vermutlich die beliebteste Fake News der abendländischen Gesellschaft.

Über Fake News haben wir in diesem Jahr viel diskutiert, im Kontext von Wahlen und dem möglichen Einfluss auf die Gesellschaft. Filterblasen und Echokammern wurden als Szenarien an die Wand geworfen, und wieder verworfen. Es mangelt weiterhin an ausreichend empirisch fundierten Nachweisen über die Einflusskraft dieser sicherlich vorhandenen Effekte. Denn auf wissenschaftlich fundierte Argumente kommt es an. Das gilt auch für den Weihnachtsmann, der vermeintlich von seinen Rentieren gezogen auf seinem Schlitten durch den Himmel jagt, um an Weihnachten überall auf der Welt Geschenke zu verteilen.

Aber kann das wirklich sein? Schauen wir uns ein paar Fakten an: Keine bislang bekannte Spezies der Gattung Rentier kann fliegen. Dennoch gibt es über 300.000 Arten von lebenden Organismen, die noch klassifiziert werden müssen. Es sind zwar größtenteils Insekten und Bakterien, es ist aber auch nicht mit absoluter Sicherheit auszuschließen, dass dabei auch fliegende Rentiere sind, die nur Christkind und Weihnachtsmann gesehen haben. Es gibt zudem mehr als 2 Milliarden Kinder unter 18 Jahren auf der Welt. Da der Weihnachtsmann (soweit bislang angenommen) keine Moslems, Hindu, Juden und Buddhisten beliefert, reduziert sich die Arbeit auf etwa 15 % der Gesamtzahl – immerhin noch rund 300 Millionen Kinder weltweit. Bei einer angenommenen Kinderzahl von 2,0 pro Haushalt ergibt das 150 Millionen Haushalte. Nehmen wir an, dass in jedem Haushalt wenigstens ein braves Kind lebt, welches zu Weihnachten beschenkt werden soll, also 150 Millionen Geschenke.

Rechnet man nun, dass bedingt durch die verschiedenen Zeitzonen auf der Welt ungefähr 31 Stunden Arbeitstag für die Auslieferung zu Verfügung stehen (sofern die Reise von Osten nach Westen geht, was ja logisch erscheint), nicht einkalkuliert wie lange es dauert, die Geschenke einzupacken und den Schlitten zu beladen, und nehmen an, dass alle Haushalte ungefähr gleich lange besucht werden, dann bedeutet dies, dass der Weihnachtsmann mit der mehr als 3.000 fachen Schallgeschwindigkeit fliegen müsste, um alle Kinder glücklich zu machen, die auf seiner Liste stehen. Ein gewöhnliches Rentier schafft etwas mehr als 20 Kilometer in der Stunde. Das müssen schon sehr besondere Tiere sein.

Wenn nun jedes Geschenk ungefähr ein Kilogramm wiegt, macht das in Summe ein Ladegewicht von 150.000 Tonnen – den Weihnachtsmann selbst nicht mit eingerechnet, der ja allgemein bekannt als vollschlank beschrieben wird. Davon ausgehend, dass ein gewöhnliches Rentier maximal 175kg ziehen kann, bräuchte es nicht acht oder neun, sondern über 850.000 Rentiere, um den Schlitten zu ziehen. Auch wenn Norwegen sich gerade um eine Obergrenze für Rentiere Gedanken macht, so viele Tiere gibt es vermutlich in ganz Skandinavien nicht. Also braucht es Rentiere, die mehr Gewicht ziehen können, ganz besondere Tiere eben. Aber das hatten wir weiter oben schon.

Ein Problem hätten wir noch mit der benötigten Reisegeschwindigkeit und dem Gesamtgewicht: wir erinnern uns, dass Raumkapseln und Raketen auf dem Rückweg aus dem All besonders gesichert sein müssen, da ansonsten beim Wiedereintritt in die Atmosphäre entstehende Kräfte zur sofortigen Vaporisieren führen würden. Um nun also zu verhindern, dass Rentier für Rentier bedingt durch die Unmenge an Energie, die beim Flug durch den Himmel entstehen würde, in Flammen aufgeht und mit einem ohrenbetäubenden Knall in die ewigen Jagdgründe übergeht, braucht es also einmal mehr…. richtig, ganz besondere Rentiere.

Die Frage der Existenz des Weihnachtsmanns, der mit einem Schlitten und ein paar Rentieren überall auf der Welt binnen weniger Stunden Geschenke an Millionen von Kinder ausliefert, kann wohl aus wissenschaftlicher Sicht zumindest angezweifelt werden. Aber manchmal, da ist es auch gut mit der Wissenschaft. Manche Fake News wollen und dürfen wir gerne ohne Betrachtung der Details glauben und weitererzählen.

In diesem Sinne, Ihnen und Ihren Lieben ein gesegnetes Weihnachtsfest und alles Gute für 2018.