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Häufig werde ich gefragt: „Digitale Wirtschaft, was ist das?“ Diese Frage lässt sich vereinfacht wie folgt beantworten: Alles womit Geld verdient werden kann und wo ein Bildschirm dran ist. In der Politik geht es allerdings nicht immer so vereinfacht. Das Beispiel digitale Wirtschaft, ihre aktuelle Entwicklung, ihre Chancen und ihr Bedarf an politischem Handeln sind ein sehr komplexes Thema.

Im Bereich der digitalen Wirtschaft gibt es zur Zeit drei Kernthemen, die ich hier als Grundlage gerne einmal betrachten möchte:

Disruption:

Der Begriff bezieht sich auf Innovationen und ihre wirtschaftlichen Folgen. Ein schönes Beispiel ist der Musikmarkt. Die Entwicklung von der Schallplatte zur CD war eine erhaltende Innovation. Künstler produzierten vor und nach der Innovation „CD“ ihre Musik, Labels verwalteten die Rechte, Presswerke produzierten die Tonträger und der Einzelhandel übernahm den Verkauf.

Mit dem Erfolg von Apples iTunes kam es jedoch zu einer markterschütternden, also disruptiven, Innovation. Künstler brauchten plötzlich weder Labels noch Presswerke, noch den Einzelhandel um ihre Musik einem weltweiten Publikum zugänglich zu machen. Die Wertschöpfungskette veränderte sich, neue Jobs entstanden, bestehende Arbeitsplätze fielen weg.

Plattformen:

Digitale Plattformen sind die Grundlage für eine große Anzahl weiterer Dienstleistungen. Sie besetzen eine Position als Mittler zwischen Entwickler und Endverbraucher. Die größten Beispiele für solche Plattformen schauen sie vermutlich in diesem Moment an. Es ist Microsoft Windows, wenn Sie diesen Beitrag am PC oder Laptop lesen oder das Google Betriebssystem Android auf dem Handy. Beide Systeme bilden die Grundlage für einen Strauß von Anwendungen. Diese Position können sie sehr gewinnbringend nutzen, was Plattformen zu den größten Gewinnern der Digitalisierung macht. Die Entwickler jede App, die sie im App-Store runterladen können, zahlen hohen Margen an den Plattformbetreiber, sei es an Google bei Android, an Apple bei iOS oder an Microsoft bei Windows.

Netzwerkeffekt:

Dieser Effekt lässt sich am leichtesten bei den sozialen Netzwerken beobachten. Facebook ist für deshalb uns alle so attraktiv, weil oft unser kompletter Freundeskreis dort angemeldet ist und regelmäßig Beiträge veröffentlicht. Als Facebook jedoch noch das Freizeitprojekt eines jungen Studenten namens Mark Zuckerberg war, wäre das Netzwerk für jeden von uns uninteressant gewesen. Wir hätten schlicht keine für uns relevanten Informationen bekommen, da es keine anderen Nutzer gab. Erst als Meinungsmacher sich für das Netzwerk zu interessieren begannen, folgte die breite Masse der Nutzer. Es war eine kritische Masse an Mitgliedern erreicht, das Netzwerk explodierte geradezu. Dieses exponentielle Wachstum der Nutzerzahlen erklärt sich dadurch, dass jedes neue Mitglied im Netzwerk den Nutzen aller anderen Mitglieder erhöht. Heute nutzen die Plattform nach Angaben von Facebook pro Monat rund 1,4 Milliarden Menschen weltweit.

 

Diese Effekte existierten auf klassischen Märkten kaum. Ein Kugelschreiber bleibt bislang ein Kugelschreiber. Wer ihn kauft, profitiert nur von etwas niedrigeren Preisen, da dieser Stift aufgrund der Nachfrage in Massenproduktion hergestellt werden kann. Unternehmen müssen die genannten Grundlagen beherzigen, wollen sie zukünftig wirtschaftlich erfolgreich sein. Sie tragen damit zum volkswirtschaftlichen Erfolg der Länder bei, die es verstanden ihnen eine guten Nährboden anzubieten. Die genannten Firmennamen zeigen, dass hier vor allem die USA dominieren. Um den Standort Hamburg voran zu bringen, muss sich deshalb einiges ändern. Die Politik ist gefragt. Dabei stehen drei Themen im Mittelpunkt:

 

Die Bildung: Die Schulen und Hochschulen müssen im Sinne der digitalen Revolution endlich reformiert werden. Es ist nicht modern und kein Grund zum Feiern der vermeintlichen Digitalisierung der Schule, wenn ältere Schüler Jüngeren das Verhalten in den digitalen sozialen Medien (Facebook und Co.) beibringen müssen. Viel mehr ist es Zeichen des Versagens unserer Lehrerausbildung, dass es keine Pädagogen mit entsprechenden Schwerpunkten gibt. Auch an den Universitäten muss die Ausbildung gründungswilliger Akademiker, insbesondere in den sogenannten MINT-Fächern, überarbeitet werden. Durch die Vermittlung betriebswirtschaftlicher Grundkenntnisse könnte beispielsweise die Hürde dieser jungen Menschen zur Gründung des eigenen Startups gesenkt werden.

Das Klima: Zudem muss ein gesellschaftliches Klima entstehen in dem Wagemut honoriert und das Scheitern eines riskanten Projekts nicht zum Ende jeder zukünftigen Karrierechance wird. Nur in solch einem Klima werden es Menschen mit Ideen wagen sich in die Garagen unserer Republik zu setzen um von dort die Weltmärkte mit ihren Gründungen zu entern. Um diese Gründungen insbesondere in der ersten Zeit zu unterstützen, braucht es schließlich auch geschützte Räume. Hier müssen bestehende Angebote unterstützt und die Bildung von Start Up Zentren betrieben werden.

Die Finanzierung: Ein zentrales Problem deutscher Start Ups in der digitalen Wirtschaft ist schließlich immer noch die Akquise von Wagniskapital. Das liegt nicht daran, dass es in Deutschland, dem Land der Sparer, an Kapital mangelt. Viel mehr fehlt es an den vorgenannten Umständen, die deutschen Gründungen wenigstens eine realistische Chance auf dem Weltmarkt geben würden. So lange sie diese Chancen aufgrund regulativer Nachteile nicht haben, wird das Kapital weiterhin mit den Füssen abstimmen. Es werden weiter lieber deutsche Spareinlagen das nächste große Ding aus dem Silicon Valley finanzieren, als den klugen Kopf aus der Nachbarschaft.

Wenn Politik, Gesellschaft und bestehende Unternehmen diese Grundlagen der digitalen Wirtschaft gemeinsam anpacken, dann hat auch der Standort Hamburg eine Chance, im immer schneller werdenden Wettbewerb um neue Ideen und Geschäftsmodelle mitzuhalten. Wollen wir Arbeitsplätze bei uns vor Ort schaffen und halten, wollen wir weiterhin Steuereinnahmen generieren, dann müssen wir handeln. Sollten auch Sie eine Idee haben, kommen Sie gerne auf mich zu. 

Bildnachweis: http://pixabay.com/de/garage-batman-tür-einzigartig-265669/ – pixabay.com

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