Bürgerschaftsabgeordneter für Lokstedt, Niendorf und Schnelsen | Wissenschaft & Digitale Wirtschaft

Hamburg zum Heimathafen digitaler Innovation machen – das ist mein politisches Ziel für die Entwicklung unserer Hansestadt. Neben konsequenter Förderung von Gründern und der Erforschung sowie Nutzung von Zukunftstechnologien wie Blockchain oder Künstlicher Intelligenz ist und bleibt die Ausbildung von jungen IT-Spezialisten eine der größten Herausforderungen unserer Stadt.

Wie schaffen wir es, bei Jungen und Mädchen schon in der Schule eine tiefere Begeisterung für Computer und Informatik zu wecken? Vor wenigen Monaten habe ich hierzu die private Initiative Hacker School ans Gymnasiums Corveystraße in meinem Wahlkreis gebracht – eine spannende Veranstaltung und beeindruckende Erfahrung. Denn wer Politik erfolgreich gestalten will, benötigt immer wieder Impulse und Eindrücke von außerhalb, um zu verstehen, wo Probleme liegen und warum manche Dinge nicht richtig funktionieren.

In den vergangenen Wochen hatte ich zudem das Glück, in meinem Team den engagierten Abiturienten Leo als Praktikanten zu haben. Gemeinsam mit meiner studentischen Mitarbeiterin Saskia haben die beiden ein paar Gedanken gesammelt, wie es aus ihrer Perspektive um die Informatikausbildung an Schulen und Universitäten steht. Gleichzeitig stellen sie verschiedene Initiativen vor, die außerhalb der Schule IT-Begeisterung vermitteln wollen und appelieren völlig zu Recht: Informatik ist nicht nur für Nerds!


Es ist zehn vor acht. Nach und nach trudeln die letzten Schüler ein, bis auch der letzte seinen Sitzplatz im Klassenzimmer gefunden hat. Ein ganz normaler Schulalltag an Hamburger Schulen. Immer wieder stellen sich aber auch Schülern Fragen wie, was ist die Zukunft und wie finde ich meinen Platz in jener?

Als Jura-Studentin im 4. Semester und studentische Hilfskraft bei Carsten Ovens, weiß ich, Saskia Baran, dass diese Fragen sich nicht allzu schnell beantworten werden. Denn mit der fortschreitenden Digitalisierung werden viele Jobmöglichkeiten in den nächsten Jahren wegfallen. Unter diesem Aspekt fragt man sich, welche Perspektive man zukünftig noch mit dem gewählten Beruf hat. Deshalb ist es wichtig schon in der Schule an die Digitalisierung durch gut organisierten Informatik Unterricht herangeführt zu werden. Vor genau 2 Jahren habe ich mein Abitur gemacht und eines ist klar, während meiner Schulzeit hat kaum jemand Informatik freiwillig gewählt. An Hamburger Schulen muss es mehr Lehrer geben, die die Schüler abholen und sie an das Thema Informatik heranführen und eben zeigen, dass dieses IT Monster vielleicht doch gar nicht so monsterhaft ist.

Mein Name ist Leo Knappe, ich bin seit diesem Jahr fertig mit dem Abitur und derzeit Praktikant bei Carsten Ovens. Ich weiß selber aus eigener Erfahrung, wie nervig und langweilig der Unterricht bisweilen ist, wenn Lehrer nicht motiviert sind oder wenig vom IT-Thema verstehen. Hinzukommt, dass schon in der Grundschule angefangen werden sollte, die Schüler an das Thema Informatik heranzuführen, um so schon früh ein Interesse zu wecken. Diese Maßnahmen würden meiner Meinung nach dafür sorgen, dass in naher Zukunft hoffentlich nicht mehr Schüler einen solchen Unterricht durchmachen müssen.

Wie wird Informatik in Hamburg unterrichtet?

An den Hamburger Schulen wird im Bereich IT und Informatik seit Jahren kaum etwas getan, Lehrer dürfen schon mit einer einfachen Fortbildung den Informatikunterricht gestalten. Im Wintersemester 2018/19 gab es insgesamt 56 angehende Lehrer, die an der UHH in Lehramt für Gymnasien oder die Primar- und Sekundarstufe im Bereich Informatik immatrikuliert waren. Oft wird schon in der Grundschule ein Computerunterricht angeboten, um Kindern die Scheu vor den PCs zu nehmen. Informatikunterricht wird meist jedoch erst ab der 7. oder 9. Klasse ausschließlich als Wahlfach angeboten. Derzeit gibt es nach Senatsangaben rund 14.000 Schüler in Hamburg, die den Informatikunterricht besuchen. Vergleichsweise ist dies bei knapp 200 000 Schülern jedoch eine sehr geringe Zahl. Insgesamt gibt es in der Hansestadt auch nur 355 Informatiklehrer. Dennoch ist es in Hamburg auch durchaus möglich, sein Abitur im Bereich Informatik zu schreiben. Um eine moderne Gesellschaft zu schaffen, braucht man jedoch nicht nur die interessierten Schüler, sondern eben auch Lehrkräfte, welche sich wirklich in der Thematik auskennen. Angehende Informatikstudenten fehlt es oft an rudimentärem Vorwissen, das die Schule bereits hätte vermitteln sollen. Doch aufgrund des Lehrermangels und des engen Zeitplans während des Abiturs, ist es oft schon rein technisch nicht möglich, Abiturienten auf ein angehendes Studium im IT-Bereich vorzubereiten.

Außerschulische Förderung

Inzwischen gibt es mehrere außerschulische Förderungen im Bereich der Informatik. Ob mit Scratch, Micro Bis, Calippe oder Plug Ins für Minecraft – die Hacker School bietet Kindern und Jugendlichen im Alter von 11-18 Jahren verschiedene Workshops an, in welchen die ersten IT-Kenntnisse mit Hilfe von ITlern, sogenannten Inspirern, erlangt werden können. Laut Julia Freudenberg, die Leiterin der Hacker-School Hamburg, ist es hierbei wichtig den Kindern ein Erfolgserlebnis zu bieten, indem sie im Nachhinein die selbstentwickelten Produkte steuern können. Die Kinder sollen ein Gefühl dafür bekommen, was Informatik überhaupt ist. Während des zweitägigen Workshops arbeiten die Teilnehmer zu zweit an einem Rechner und für jedes Paar gibt es einen ITler.  Die Workshopteilnehmer sind im Schnitt ca. 12 Jahre alt und es laufen mehrere Kurse parallel.

Teilnehmer besuchen die Hacker School meistens öfter als einmal und es gibt viel positives Feedback. Teilweise werden Workshop-Teilnehmer selbst Inspirer für die Hacker School. Finn, ein ehemaliger Hacker School Teilnehmer, absolvierte gleichzeitig mit dem Abitur an einer Fernuni den Informatik Bachelor, berichtet Julia Freudenberg voller Stolz. Auch die Otto Group ist am Projekt beteiligt und es gab sogar schon Workshopteilnehmer, die über das Projekt ihren Ausbildungsplatz bei Otto fanden. Jedoch fällt auch in der Hacker-School schnell auf: Die meisten Teilnehmer sind männlich. Um auch die Mädchen für Informatik zu begeistern, ist eine Girls Hacker School geplant. Insgesamt ein gelungenes Projekt finden wir.

Im letzten Jahr ging die Hacker-School an fünf verschiedene Schulen in Hamburg und stellte ihr Projekt in einer doppelstündigen Schulstunde vor. Eine dieser Schulen war unter anderem das Corvey Gymnasium aus unserem Wahlkreis. Anhand von Schokobons wurden Herausforderungen eines „Roboters“ in einzelnen Teilschritten erörtert (wie packe ich das Bonbon aus, ohne es kaputt zu machen). Außerdem wurden den Kindern Informationen zur Digitalisierung an die Hand gegeben und es wurde darüber gesprochen, welche Projekte es gibt, z.B. Algorithmisches Denken – eine Grundvoraussetzung unseres Zeitalters.

Die Hacker-School ist nicht das einzige außerschulische Projekt für Informatik. Inzwischen gibt es außerdem Bar Camps, die Java Challenge und den App Contest – alle Programme werden von der Otto Group unterstützt. Jugend hackt hingegen ist ein Hackathon der seit 2013 von der Open Knowledge Foundation Deutschland und der Medienbildungsagentur mediale pfade.org – Verein für Medienbildung veranstaltet wird. Diese Veranstaltung findet inzwischen sogar weltweit in Städten wie Hongkong und Tokio statt, seit 2015 auch in Hamburg. Benötigt werden lediglich ein paar Hintergrundkenntnisse, ehrenamtliche Mentoren helfen bei den Projekten.

Appell für mehr ausgebildete Lehrer

Zusammenfassend merkt man jedoch, in der Schulpolitik muss sich etwas tun. Es gibt immer noch zu wenig Informatiklehrer und bei den meisten ist das Studium eben doch schon eine Weile her. Gerade die Informatik ist kurzweilig, weshalb vor allem junge Lehrer benötigt werden, um den Schülern den ersten Schritt zur Digitalisierung zu vereinfachen. Ziel ist es, sich an die Schnelllebigkeit des digitalen Zeitalters anzupassen. Informatik hat schon lange nichts mehr mit Nerds zu tun, denn es handelt sich dabei um unsere Zukunft. Sei ein Teil davon!

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