Bürgerschaftsabgeordneter für Lokstedt, Niendorf und Schnelsen | Wissenschaft & Digitale Wirtschaft

Hamburg soll Gründermetropole sein und insbesondere Startups als Heimathafen für digitale Innovationen dienen. Diese Erkenntnis scheint sich mittlerweile fast parteiübergreifend zu etablieren. Dabei erzählt man sich gerne mit einem süffisanten Lächeln, dass die Tech-Startups in München sitzen und die coolen Gründer nach Berlin streben. Und in Hamburg? Da verdienen Startups eben Geld. Ganz so einfach ist es nicht und die hiesige Szene hat weiterhin mit einigen Herausforderungen zu kämpfen.

Der rot-grüne Senat ist hier durchaus bemüht, auch als Opposition kann man das anerkennen. Ein städtischer Innovations- und Wachstumsfonds soll die Finanzierungslandschaft ergänzen, ein Gründerstipendium jungen Entrepreneuren den Start erleichtern. Darüber hinaus arbeitet der Senat seit 2014 an einem Konzept städtischer Innovationsparks, erfreut sich regelmäßig an neuen Rankings und begleitet wohlwollend so ziemlich jede private Initiative, die irgendwie dazu beiträgt, das Bild der Innovationsmetropole zu festigen. Schaut man genauer hin, liegt in den privaten Initiativen auch ein Großteil des Hamburger Erfolgs begründet. Der städtische Fonds, im Januar 2016 von der Bürgerschaft beschlossen, hat weiterhin kein Konzept und keine Investoren, kein einziges Stipendium (Frage 7c der Senatsanfrage) wurde bislang vergeben.

Daher lohnt sich einmal mehr ein genauer Blick auf den jährlichen Deutschen Startup Monitor, der Ende Oktober zum sechsten Mal vom Bundesverband Deutsche Startups und KPMG herausgegeben wurde. Insgesamt 1.550 Startups, die 17.647 Mitarbeiter repräsentieren, haben an der diesjährigen Befragung teilgenommen. Das sind zwar 15% weniger Unternehmen als im vergangenen Jahr, dennoch bleibt die Studie unter wissenschaftlicher Begleitung von Prof. Dr. Tobias Kohlmann (Universität Duisburg-Essen) die wohl repräsentativste Erhebung zur Startup-Szene in Deutschland. Nachfolgend habe ich einige Fakten für den Standort Hamburg zusammengefasst.

Auf den ersten Blick gewinnt der Standort an Bedeutung, 7,3% aller Startups kommen aus der Hansestadt (2017: 6,2%). Im Ranking der Regionen, angeführt von Berlin und der Metropolregion Rhein-Ruhr, steht Hamburg nun auf dem 3. Platz und konnte damit die Region Stuttgart/Karlsruhe überholen (unverändert Platz 6 im Bundesländer-Ranking). Allerdings sagen diese Zahlen wenig über die tatsächliche Stärke der Regionen aus, zählen hier nur die befragten Unternehmen, nicht die real (schwer zu ermittelnde) Anzahl. Deutlich aussagekräftiger sind dagegen die folgenden Erkenntnisse. Hamburger Gründer sind Teamplayer: 80,4% aller Startups werden im Team gegründet. Lediglich in den (noch erfolgreicheren) Innovationsregionen Stuttgart, München und Berlin gibt es noch weniger Solo-Gründer. Dabei sind Hamburger Startups im Durchschnitt etwas kleiner (3 Mitarbeiter) als beispielsweise in Berlin (7 Mitarbeiter).

Beim Anteil der weiblichen Gründer liegt Hamburg wie in den Vorjahren etwas über dem Bundesdurchschnitt: 18,8% der Jungunternehmer an Alster und Elbe sind Frauen, bundesweit sind es 15,1%. Vor zwei Jahren kam Hamburg auf einen Frauenanteil von 13,9%, was uns als CDU-Fraktion dazu veranlasste, eine Initiative zur Unterstützung weiblicher Gründer in die Bürgerschaft einzubringen. Ob die leichte Steigerung nun an einer verstärkten Förderung oder schlicht an einer anderen Datengrundlage liegt, lässt sich nicht feststellen. So oder so bleibt der Anteil von Frauen in der Gründerszene viel zu gering. Hier sind weitere Anstrengungen nötig, um mehr Frauen zu motivieren und damit vorhandene Potentiale besser zu nutzen.

Die Bedeutung von Venture Capital ändert sich: Waren im Vorjahr bundesweit noch 15,9% der Startups durch Venture Capital finanziert, so sind es in diesem Jahr noch 15,3%. Deutlich dramatischer entwickelt sich die Situation in Hamburg. In unserer Stadt sind gerade noch 11,4% der Startup mittels Venture Capital finanziert (2017: 15,7%; 2016: 23,2%). Selbst unter Berücksichtigung von Veränderungen in der Teilnehmerstruktur der Studie (von den Autoren selbst benannt), lässt sich der Trend für Hamburg schlecht leugnen. Dies passt zum Bild unserer Reihe Gründerfrühstück. Hier wird schlechter Zugang zu Venture Capital immer wieder als eine der größten Herausforderungen für Hamburger Startups benannt. Auch der Startup Monitor 2018 benennt die Unterstützung bei der Kapitalbeschaffung als eine zentrale Baustelle der Politik. Umso ärgerlicher ist es, dass der rot-grüne Senat mit dem Hamburger Startup-Fonds bislang kaum voran kommt.

Rund 40% der befragten Startups fordern, Entrepreneurship in die Lehrpläne an Schulen und Hochschulen aufzunehmen – ein Thema, welches ich gemeinsam mit der CDU-Bürgerschaftsfraktion seit 2015 immer wieder adressiert habe und mit einem Antrag zu den Haushaltsberatungen im Dezember erneut ins Landesparlament einbringe. Hier sind insbesondere die Bundesländer gefragt, obwohl die CDU-geführte Bundesregierung beispielsweise mit der “Bildungsoffensive für die digitale Wissensgesellschaft” sowie weiteren Förderprogrammen einen wichtigen Beitrag leistet. Hamburg muss hier kräftig aufholen. Unter den Top-10-Gründerhochschulen findet sich erneut keine Institution unserer Hansestadt. Angeführt wird das Ranking von der TU München, gleich zwei Berliner Universitäten finden sich auf den vordersten fünf Plätzen.

Das Thema Vernetzung bleibt ebenfalls von großer Bedeutung für die Startup-Szene. Über ein Viertel der befragten Gründer wissen jedoch nicht, ob es lokale Cluster in ihrer Region gibt. Sind Startups jedoch Teil eines Netzwerks oder Clusters, bewerten 63% der Befragten dessen Mehrwert als eher oder sehr hoch. Hier präsentiert die Studie leider keine genauen Zahlen für Hamburg. Die allgemeinen Aussagen decken sich jedoch mit den Erkenntnissen des HWWI: Bereits im Herbst 2016 veröffentlichte das Institut eine Studie, nach welcher die regionale und internationale Vernetzung der Hamburger Startup-Szene eine der drei größten Herausforderungen des Standorts sind. Darüber haben wir bereits damals lebhaft in der Bürgerschaft diskutiert und werden weiter dafür streiten. Persönlich versuche ich hierbei mit verschiedenen parlamentarischen Initiativen aber beispielsweise auch mit meinem Engagement als GISEP-Botschafter einen Beitrag zu leisten.

Der Startup Monitor 2018 bietet erneut einen solide fundierten Überblick zur Entwicklung der deutschen Gründerszene sowie eine Vielzahl von Anregungen für die Landes- und Bundespolitik. Einer Kernforderung des Monitors kann ich mich persönlich gut anschließen: Politik muss im kommenden Jahr innovativer, digitaler und mutiger werden. Sie muss das Interesse an neuen Technologien mit Nachdruck fördern und darf damit nicht erst im Studium beginnen. Die Hamburgische Bürgerschaft ist gut beraten, die Erkenntnisse intensiv zu diskutieren und daraus eigene Schlüsse für die Entwicklung unserer Stadt zu ziehen. Ich freue mich auf den Austausch. Anregungen und Fragen sind jederzeit gerne gesehen.

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