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Hamburg soll Innovationsmetropole werden, dazu besteht nahezu Konsens in der Bürgerschaft der Freien und Hansestadt. Als der rot-grüne Senat vor knapp 2,5 Jahren mit diesem großen Ziel in die Legislatur gestartet ist, waren die Erwartungen hoch. Gleichzeitig war es zu Beginn der Legislatur nicht gut um das Thema Entrepreneurship an Hamburgs Hochschulen bestellt, wie ich hier bereits im Juni 2015 deutlich gemacht habe. Immer häufiger zeigt sich seitdem, dass die zuständige Wissenschaftssenatorin Fegebank zwar für viel Wirbel sorgt, die Ergebnisse aber äußerst dürftig bleiben.

Um einen umfassenden Überblick zur aktuellen Situation von Unternehmensgründungen an Hamburgs Hochschulen zu bekommen, habe ich den Senat im Mai 2017 um detaillierte Auskunft gebeten (Drs. 21/9015). Schließlich bilden Unternehmensgründungen den Mittelstand von Morgen, bieten Arbeitsplätze und tragen durch das entstehende Steueraufkommen dazu bei, gesellschaftliche Kosten auch in Zukunft finanzieren zu können. Erfolgreiche Gründer beleben den Innovationsstandort. Gerade an den Universitäten und Hochschulen leisten sie zudem einen wichtigen Beitrag, um den Wissenstransfer aus der Wissenschaft in die Gesellschaft zu fördern.

Der Stifterverband ermittelt mit dem Gründerradar regelmäßig die Zahl der Unternehmensgründungen an deutschen Universitäten und Hochschulen. Gefördert vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie sowie der Heinz Nixdorf Stiftung, stellt der Bericht ein umfassendes Zahlenwerk zur wissenschaftlich getriebenen deutschen Gründerszene zur Verfügung, welches sich auch dazu eignet, Chancen und Schwachstellen zu analysieren und politische Maßnahmen in die Wege zu leiten, um den eigenen Standort wettbewerbsfähig auszurichten und damit den Grundstein für zukünftigen Wohlstand zu legen.

Der rot-grüne Senat scheint diesen Bericht auch zu kennen, geht jedoch in seiner Antwort auf meine Anfrage geflissentlich darüber hinweg, wie dürftig Hamburg im Vergleich zum Bundesdurchschnitt abschneidet. Ein zentrales Problem wird jedoch deutlich: Norddeutschlands größte Universität, die Universität Hamburg, hat nicht mal eine eigene Transferstrategie für wissenschaftliche Innovationen (Frage 10 und 11a). Ein ähnliches Bild zeichnet sich auch an der Hochschule für Musik und Theater (HfMT) ab. Offenbar glaubt man im Senat, dass es im Bereich der Kreativwirtschaft (Schauspiel, Gesang, Kultur & Medien) keine Ausgründungen aus der Wissenschaft geben kann. Dies ist besonders bitter für Senatorin Fegebank, haben die Grünen doch bislang die Kreativwirtschaft immer als „Ihre“ Sphäre gesehen. Eine nachhaltige Förderung sieht jedenfalls anders aus. Hier ist Wissenschaftssenatorin Fegebank dringend gefordert, auf eine Änderung einzuwirken. Die Antwort des Senats zeigt, dass man das Problem zwar erkannt hat, aber nicht entschlossen handelt, sondern unbestimmt von zukünftigen Entwicklungen spricht.

Ein weiteres Problem wird nun deutlich: Gründungsaktivitäten werden (z.B.) an der Uni Hamburg nicht systematisch erfasst. Offenbar wird vom rot-grünen Senat auch kein großer Wert darauf gelegt, sonst könnte man dies ändern beispielsweise über die Ziel- und Leistungsvereinbarungen in Verhandlungen mit den Hochschulen ändern. Die wenigen Zahlen, die überhaupt erhoben werden zeichnen jedoch eine erschreckend schlechte Bilanz: Gerade einmal 2 Ausgründungen durch das EXIST-Programm des Bundes hat es an der Universität Hamburg zuletzt gegeben, an der Technischen Universität Hamburg (TUHH) immerhin 6 bewilligte Anträge, obwohl die TUHH nicht mal 1/5 der Größe der Uni HH hat.

Laut Bundeswirtschaftsministerium steht Hamburg beim EXIST-Programm zur Förderung von Ausgründungen aus Hochschulen insgesamt jedoch erschreckend schlecht dar. So hat es z.B. in den ersten neun Monaten 2016 in ganz Hamburg lediglich 35 bewilligte EXIST-Anträge gegeben, in Berlin dagegen stolze 257. Unter den TOP 10 EXIST-Hochschulen sucht man Hamburger Vertreter ohnehin vergebens. Es müsste Anspruch des Senats sein, Hamburg beim EXIST-Programm zumindest im Norden in führende Position zu bringen, wenn man das selbst gesteckte Ziel der Innovationsmetropole ernsthaft erreichen will.

Alleine an der Uni Lüneburg hat es zuletzt 55 Gründungen pro Jahr gegeben (vgl. Frage 4). Nun zeigt der Senat auf, dass es an allen staatlichen Universitäten und Hochschulen Hamburgs in 2016 gerade mal 14 registrierte Gründungen gegeben hat. Wenn in Lüneburg aus einer einzelnen Universität mehr Unternehmen heraus gegründet werden, als an allen staatlichen Hochschulen Hamburgs zusammen, dann läuft in der Politik des Hamburger Senats gehörig etwas schief!

Es klingt in der Senatsantwort (z.B. auf Frage 7) durchaus so, als sei die Universität Hamburg gut aufgestellt, um gründungswillige Studenten zu beraten. Tatsächlich muss man als (potentieller) Gründer lange suchen, bis man auf diese Angebote stößt. Zum Vergleich: an der TUHH wird z.B. für das Angebot des Startup Docks mit Plakaten und Flyern auf dem Campus sowie in Vorlesungen geworben, es gibt zudem gleich zwei eigene Professuren für das Thema Entrepreneurship. An der Uni HH gibt es kein strukturiertes Lehrprogramm, um Studenten für das Thema Entrepreneurship zu begeistern, es gibt nicht mal einen dafür zuständigen Lehrstuhl an Norddeutschlands größter Universität. Die Antworten zu Frage 8 verdeutlichen dies (vgl. auch Anlage 3 der Drs. 21/9015).

Es liegt im Interesse Hamburgs, dass unsere Universitäten und Hochschulen national und international im Wettbewerb mithalten können, gerade beim Thema Ausgründungen. Immer häufiger orientieren sich Studenten, Wissenschaftler und Unternehmen an eben diesen Werten, wenn sie nach guten Hochschulen suchen. Offenbar hat der rot-grüne Senat jedoch kein Interesse, die Leistungsfähigkeit der Hochschulen auf den Prüfstand zu stellen. Andernfalls würde man diese dazu ermuntern oder gar verpflichten, an Rankings (die national und international immer wichtiger werden) teilzunehmen. Dies ist nicht der Fall, der Senat verweist auf meine Anfrage lapidar auf „freiwillige“ Entscheidungen der Hochschulen. Schwammiger und ausweichender konnte sich Rot-Grün in diesem Kontext nicht ausdrücken (vgl. Frage 12). Faktisch heißt es in der Senatsantwort, dass die Hamburger Landesregierung bislang nichts auf die Beine gestellt, um ein echtes Gründerklima an der Uni Hamburg (und weiteren staatlichen Hochschulen) entstehen zu lassen.

Seit Beginn der Legislatur habe ich mit der CDU-Bürgerschaftsfraktion immer wieder gefordert, die Rahmenbedingungen für Ausgründungen aus den Hamburger Hochschulen zu verbessern, beispielsweise durch die Schaffung von entsprechenden Professuren. Dies haben SPD und Grüne in der Bürgerschaft jedes Mal wieder abgelehnt. Die nun bekannt gewordenen Zahlen zeigen jedoch, dass weiterhin großer Handlungsbedarf besteht. Gemeinsam mit der CDU werde ich das Thema deshalb in der zweiten Jahreshälfte erneut auf die Tagesordnung setzen.

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