Bürgerschaftsabgeordneter für Lokstedt, Niendorf und Schnelsen | Wissenschaft & Digitale Wirtschaft

Diese Woche erschien der KfW-Gründungsmonitor 2018. Die neuen Daten sind in mehrfacher Hinsicht alles andere als erfreulich. So sinkt die Gründungsaktivität in Deutschland erneut, um insgesamt 17%. Hamburg fällt im nationalen Vergleich zurück. Hatte der Vorjahresbericht noch ergeben, dass in Hamburg pro 10.000 Einwohner gerechnet mehr Startups gegründet werden als in Berlin, so zieht die deutsche Hauptstadt nun wieder an Hamburg vorbei.

Über die Entwicklung des Gründerstandorts Hamburg haben wir Ende Mai auch beim beim Gründerfrühstück der CDU-Bürgerschaftsfraktion im Hamburger Rathaus diskutiert. Mit Andreas Winiarski, Partner bei Earlybird Ventures, Michael Semder, Vorsitzender des Jungen Wirtschaftsrats Hamburg, sowie Doreen Hotze, Leiterin des Gründungszentrums der Handelskammer Hamburg, haben gleich drei ausgewiesene Experten meine Einladung angenommen (siehe Foto). Gemeinsam mit einigen Hamburger Gründern diskutierten wir die zentralen Herausforderungen für Startups: die Vermarktung der Hamburger Startup-Szene, ein Ausbau der internationalen Vernetzung sowie die Finanzierung von Startups durch ausreichend Venture Capital.

Hamburg ist Deutschlands Tor zur Welt. Es sollte zum Selbstverständnis unserer Stadt dazugehören, einen entscheidenen Beitrag dafür zu leisten, Deutschland zum Heimathafen für digitale Innovationen auszubauen. Dafür engagiere ich mich gemeinsam mit der CDU Hamburg. Doch der rot-grüne Senat verschläft die Chancen. Ausgründungen aus Hochschulen werden kaum unterstützt, dabei könnten doch gerade unsere Hochschulen Keimzellen der Gründerszene sein. Es fehlt an Angeboten zur internationalen Vermarktung und Vernetzung, der Innovations-Wachstumsfonds existiert auch über 2,5 Jahre nach Beschluss durch die Bürgerschaft nur auf dem Papier. Statt hier richtig zu investieren und beispielsweise im Bereich der Logistik auf Zukunftstechnologien wie Blockchain zu setzen, kleckert der Senat mit Mini-Initiativen vor sich hin. Das kostet Arbeitsplätze und Steuereinnahmen und geht damit zu Lasten der ganzen Stadt!

Knallten im letzten Jahr noch die rot-grünen Sektkorken, als Hamburg plötzlich mehr Startups pro 10.000 Einwohner verzeichnete, als die deutsche Startup-Metropole Berlin, so zeigt der heute erschienene KfW-Gründungsmonitor, dass dies nur eine kurze Momentaufnahme war: Berlin führt ohnehin in absoluten Zahlen und hat Hamburg nun auch bei der relativen Bewertung wieder überholt. Dabei haben wir am Standort eigentlich alle Voraussetzungen, um Deutschlands Gründerszene zentrale Wachstumsimpulse zu geben: Kapital, Erfahrung und eine international stark vernetzte, etablierte Wirtschaft.

Bei dieser Diskussion lohnt es sich, auch einen Blick auf die Regionen zu werfen, die bereits für ihre innovative Gründerszene bekannt sind. Doch das alleine wird nicht reichen. Wir müssen eigene Ansätze entwickeln. Darüber wollen wir auch beim nächsten Gründerfrühstück der CDU-Bürgerschaftsfraktion im Hamburger Rathaus diskutieren. Dieses soll Ende August bzw. Anfang September stattfinden. Bei Interesse an einer Teilnahme reicht eine E-Mail an mein Büro.

2 comments

  1. Reply

    S. 2. Juni 2018 at 10:03

    Moin

    Als betroffener kann ich da auch mal ein paar Worte zu sagen.

    1. Hamburg überbewertet sich hier ganz stark was Startups betrifft. Das Preisniveau ist so hoch (Mieten, Gewerbeflächen etc) das eine Gründung nur mit sehr ernsthaftem Kapital möglich ist bzw. mit sehr viel mehr als ich es in Berlin benötige.

    2. Gründen ist für Reiche. Selbst Michael Dell hatte im ersten Jahr 100.000$ zur verfügung und machte darauf 15% Gewinn. Eventuell sollte man mal aufhören die zwei Geld Mythen der Startup Szene weiter zu verbreiten. Es kann wahrlich nur ein Startup aufmachen, wer schon selbst kreditwürdig ist und die Informationen aus dem Freundeskeis lauten: Wenn du keine Eigentumswohnung zu belasten hast, dann lass es. Dazu dann die Idee wie und wann man damit Geld verdient. So wie es aussieht, und das sieht man besonders an den “Posterboy” Startups der letzten Zeit ist es eher der Sogenannte Plattformkapitalismus. Wie ein Mytaxi: Eine zentrale Platform nimmt denen die eh schon zum Mindestlohn arbeiten (eine schlechte Taxischicht heisst Mindestlohn zu verdienen) nochmal einen Zehnt weg. Das die Gründer und heutigen Betreiber nicht aus dem Umfeld der Taxifahrer kommen, sondern “die Elbe hoch” zu verordnen sind ist vielleicht auch mal gut zu wissen. Auch in Ihre Hochschulen, siehe entsprechende Statistiken, schaffen es dann eher die Söhne und Töchter aus reichem Hause.

    3. Wenn den Hamburger (Reichen) was fehlt ist es sicher nicht das Netzwerk. Wenn man mal so in den Startups ein und aus geht, dann sieht man schnell: Es gibt ein sehr gutes Netzwerk: Coachen dann doch immer wieder sehr ähnliche Leute die Gründer, mit einem eher reduzierten Satz an Ideen. Das ist bedenklich, aber man will halt mit sich und seinem Geld allein unter sich sein.

    Hamburg ist jetzt lange genug im Windschatten von Berlin mitgefahren und das Thema ist vorbei. Meine Augen richten sich aktuell nach Spanien, Berlin und in den Ruhr Pott. Hamburg ist schön und teuer zu wohnen, beim Thema “neue Ideen” aber ein Altherrenklub der sich gegenseitig, bzw den eigenen Söhnen die Kohle und den Besitz zuschiebt. Die Stunden im Zug und Fieger sind es wert: Das Umfeld dort bietet, was wir uns hier gerne jeden Tag einreden.

    Es ist Zeit etwas zu ändern, aber ein Kurzaufsatz um uns selbst zuzuklatschen ist nicht das was ich damit meinte ;)))

    • Reply

      Carsten Ovens 14. Juni 2018 at 09:59

      Moin,

      vielen Dank für den ausführlichen Meinungsbeitrag.

      Wie im Artikel beschrieben, sehe ich ebenfalls einige Baustellen, um die Hamburger Gründerszene voran zu bringen. Dazu zählen die drei Themen Vermarktung, Vernetzung und Venture Capital. Diese in Hamburg noch nicht optimalen Bedingungen machen es für junge Gründer schwieriger. Dazu kommen die im Vergleich zu Berlin höheren Mieten und das teilweise noch fehlende “Grundrauschen”.

      Wenig zustimmen mag ich dagegen Ihrer Aussage, Gründen wäre nur etwas für Reiche. Mit den Programmen der Freien und Hansestadt Hamburg sowie mit den Förderprogrammen des Bundes ist genau das nicht der Fall. Zwar fehlt es weiterhin an ausreichenden Finanzierungsangeboten für schnell wachsende Startups, und sicherlich könnte insgesamt auch noch mehr Budget zur Verfügung gestellt werden, jedoch werden die bestehenden Budgets bislang nicht mal ganz ausgenutzt.

      Welche Art von Startups nun entstehen, hängt einerseits mit der Technologiekompetenz, andererseits mit den Marktchancen zusammen. Die Plattformökonomie spielt dabei sicherlich eine wesentliche Rolle und ist Treiber vieler disruptiver Veränderungen. Das ist auch nicht automatisch schlecht, jedoch sind Gewerkschaften und Politik noch nicht überall auf der Höhe der Zeit angekommen, wenn es um Mitbestimmungsrechte und den Schutz von Arbeitnehmern geht. Daran müssen wir weiter arbeiten.

      Ende August findet das nächste Gründerfrühstück der CDU-Bürgerschaftsfraktion im Rathaus statt. Schicken Sie mir gerne eine Mail und wir nehmen Sie mit auf den Verteiler.

      Viele Grüße
      Carsten Ovens

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