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Im Februar und März ist es in Hamburg oft naß und kalt – und die Bürgerschaft hat ein paar sitzungsfreie Tage. Ideal, um sich andernorts über aktuelle Entwicklungen zu informieren und neue Ideen für die Arbeit im Hamburger Rathaus zu sammeln.

So nutze ich die Zeit, und bereiste sowohl das Silicon Valley in Kalifornien, wie auch das Silicon Wadi, die dynamische israelische Metropolregion Tel Aviv. Tolle Landschaften, wunderbare Menschen, jede Menge kulinarische Köstlichkeiten – die Regionen eignen sich durchaus auch für längere Erholungsurlaube. Doch die Zeit war begrenzt und ich wollte ja neue Ideen sammeln. Also wurden vorab reichlich Termine mit Unternehmern, Vertretern von Verbänden, Behörden und wissenschaftlichen Einrichtungen sowie weiteren interessanten Gesprächspartnern gemacht.

Seit meiner Rückkehr kommen immer wieder zwei zentrale Fragen auf: einerseits die klassische Nachfrage “und, wie war es?” Andererseits wird nachgehakt, was Hamburg denn nun von beiden Boomregionen der Digitalisierung lernen kann – und das war ja auch das eigentliche Ziel meiner Reisen. Ein paar Gedanken habe ich in diesem Blogbeitrag zusammengefasst.

Ein zentraler Unterschied zwischen Deutschland und meinen Reisezielen: dort dreht sich alles gefühlt zwei Runden schneller als hier. Das fängt bei der Kommunikation an: blitzschnell waren Termine in der Zentrale von Facebook, in der Niederlassung des Venture Capital Fonds e.ventures aber auch bei der Außenhandelskammer sowie bei unserem Generalkonsulat in San Francisco gemacht. Ja, selbst unsere deutschen Institutionen haben sich dem Tempo vor Ort angepasst. Auch die Nachbearbeitung von Ideen folgte stets direkt nach den Gesprächen – oft ergänzt um weitere Anmerkungen.

Der Gedanke der Vernetzung ist allgegenwärtig. Während wir daheim lieber so lange über einer Idee brüten, bis jemand anderes mit einer besseren Lösung um die Ecke kommt, wird im Silicon Valley einfach ausprobiert – und offen darüber gesprochen. Wer sich nicht ständig mit anderen austauscht, verliert den Anschluss. Diese Offenheit prägt die Gesellschaft.

Über die Entwicklung Israels hin zur Hightech Nation wurde viel diskutiert und viel geschrieben. Lesenswert ist das Buch “Startup Nation Israel” von Dan Senor und Saul Singer. Eine zentrale Grundlage des Erfolgs vieler israelischer Gründer ist nach Meinung der Autoren ein großes Maß an Chuzpe. Aus dem jiddischen übersetzt bedeutet es eine Mischung aus zielgerichteter, intelligenter Unverschämtheit, charmanter Penetranz und unwiderstehlicher Dreistigkeit. Im schnelllebigen Zeitalter der Digitalisierung und im dynamischen, globalen Wettbewerb sind solche Eigenschaften sehr hilfreich.

Im Heiligen Land läuft vieles anders, als man es sonst gewohnt ist. Firmengründer kommen in Flipflops und Shirt zum Gespräch – sicherlich, das Wetter macht es möglich. Die Lockerheit verdeckt dennoch nicht, wie groß Sicherheit im Land geschrieben wird. Entsprechend tummeln sich auch viele israelische Unternehmen in diesem Sektor und beschäftigen sich unter anderem mit Datensicherheit. Hier bieten sich zahlreiche Anknüpfungspunkte für Hamburg und Deutschland – entsprechend verliefen meine Gespräche, beispielsweise bei Mobileye und Waze, aber auch bei der Deutsch-Israelischen Handelskammer und der Konrad-Adenauer-Stiftung, welche einen Teil meiner Reise gemeinsam mit dem cnetz organisierte.

Israel beeindruckt aber schon mit einfachen Zahlen: bereits heute gibt es weltweit kein Land mit mehr Startups pro Kopf – über 1.000 Hightech Gründungen kommen pro Jahr dazu. In Sachen Innovation steht Israel weltweit auf Platz 3 des aktuellen Rankings vom World Economic Forum. Viele Unternehmen des Silicon Wadi tummeln sich heute eigenständig und erfolgreich auf den globalen Märkten, oder wurden von internationalen Konzernen aufgekauft.

Eine weitere Erfolgsgrundlage ist dabei sicherlich die breite Möglichkeit, Risikokapital zur Finanzierung von Ideen einzusammeln. Das Office of the Chief Scientist, eine Einrichtung des israelischen Wirtschaftsministeriums, unterstützt Unternehmensgründungen nicht nur mit vielfältigen Dienstleistungen sondern eben auch mit Finanzierungsangeboten in Kooperation mit privaten Venture Capital Fonds. Dabei sind auch deutsche Fonds vor Ort aktiv, beispielsweise die ProSieben Sat 1 AG, die sich im Medienbereich engagiert. In Hamburg findet sich bislang kein vergleichbares Angebot.

Auch die Kooperation zwischen Wissenschaft und Wirtschaft, zwischen Theorie und Praxis, spielt in Israel eine große Rolle. Dabei sind auch deutsche Unternehmen beteiligt. So gründete die Deutsche Telekom mit der Ben-Gurion-Universität in Beerscheva bereits vor rund zehn Jahren ein gemeinsames Innovationslabor. Über 50 israelische Wissenschaftler arbeiten heute mit deutschen Fachleuten an Big Data und Internet Security Themen. Die Stadt in der Negev-Wüste hat mittlerweile eine  noch viel ergiebigere Vision bekommen: hier soll eine neue zivile Cyberhauptstadt entstehen – aus 200.000 Bewohnern soll in gut einem Jahrzehnt eine halbe Million Menschen werden – eine Technologiemetropole mit entsprechenden Unternehmen und Forschungseinrichtungen. Damit wäre die Stadt größer als Tel Aviv.

Grundsätzlich lässt sich nach vielen Gesprächen in Israel und den USA sagen: die Bereitschaft, gar der Wunsch nach Zusammenarbeit mit Hamburg ist groß. Wir müssen die sich bietenden Chancen nur ergreifen. Viel zu lange ist es her, dass offizielle Delegationen der Stadt beide Regionen bereist haben. Bei Großveranstaltungen wie dem “Start in Germany Day” in Tel Aviv beispielsweise sucht man vergebens nach Hamburger Vertretern im Programm. Die Bereitschaft beim rot-grünen Senat ist dazu einfach zu gering. Die letzte Delegationsreise nach Kalifornien vor einigen Jahren verpuffte. Bis auf schöne Erinnerungsbilder ist nichts nachhaltig geblieben.

Gerade erst kam die Antwort auf meine Senatsanfrage aus den Behörden, dass man sich beispielsweise zur zentralen Frage, warum Unternehmensgründungen scheitern, nicht mal mit anderen Regionen austauscht. Der Senat meint in Drucksache 21/3882 dazu, dass Hamburg nicht vergleichbar sei. Nun, es verwundert nicht, haben doch die Hamburger Behörden nicht mal eine einheitliche Definition für den Begriff Startup.

Will Hamburg wirklich eine Digitalisierungsoffensive starten, wie SPD und Grüne so gerne verbreiten, dann braucht es Mut zum Handeln und eigene Ideen. Bislang kommen die meisten Impulse sowie das benötigte Geld aus Berlin, Rot-Grün lässt sich hierfür dann auf den eigenen Digitalisierungspartys feiern. Initiativen von uns als Opposition werden nicht mal zur Diskussion in die Fachausschüsse überwiesen. Das ist nicht gut für Hamburg.

Gemeinsam mit der CDU-Fraktion werde ich deshalb weitere Initiativen in und außerhalb der Bürgerschaft starten – dabei sicherlich auch einige Ideen, die mir auf meinen Reisen nach Kalifornien und Israel gekommen sind. Für Gespräche stehe ich immer gerne bereit. Wer informiert bleiben möchte, meldet sich im Bürgerbüro oder bestellt dazu auch meinen Newsletter.

 

Foto: Schnappschuss bei Mindspace. Das israelische Coworking Space eröffnet dieses Frühjahr auch einen Standort in Hamburg.

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