Bürgerschaftsabgeordneter für Lokstedt, Niendorf und Schnelsen | Wissenschaft & Digitale Wirtschaft

Was zunächst nach einem großen Wurf aussah, entpuppt sich mehr und mehr als Luftnummer: Der vom Senat groß ankündigte Ausbau der Technischen Universität Hamburg (TUHH). Das Versprechen nach mehr Geld und mehr Professoren klingt zunächst einmal gut und richtig. Doch eine Detailbetrachtung offenbart zahlreiche Baustellen.

Ein Ausbau bietet tolle Chance für den Hamburger Süden, ist wichtig für die Innovationskraft des Wirtschafts- und Wissenschaftsstandorts Hamburg und längst überfällig. Nicht zuletzt deswegen fordern wir als CDU diesen Schritt seit Jahren. Doch Rot-Grün vergibt nun mit einem halbherzigen Entwurf die große Chance und wärmt aktuell lieber schwammige Absichtserklärungen auf, die ich schon im letzten Jahr als unzureichend kritisiert habe. Um zu den großen neun Technischen Universitäten Deutschlands aufzuschließen, braucht es mehr, vor allem aber eine deutliche Steigerung des jährlichen Budgets, sowie eine vernünftige Infrastruktur für Studenten und Forscher.

Bislang bekommt die TU Hamburg rund 80 Millionen Euro pro Jahr von der Stadt. Diese Summe soll in den kommenden Jahren um 25% steigen. Berücksichtigt man Tarifsteigerungen und Inflation, schwindet die Erhöhung deutlich. Im Vergleich zu den bisherigen neun größten Technischen Universitäten ist das Budget auch trotz Erhöhung überschaubar. Die TU Braunschweig hat bereits heute drei Mal so viel finanzielle Mittel zur Verfügung, die RWHT Aachen gar neun Mal so viel.

Seit Jahren reichen die Mittel schon nicht, um die vorgesehenen 141 Professuren auch zu besetzten. Lediglich 91 Professoren sind derzeit an der TU Hamburg tätig, 35% der Stellen sind unbesetzt. Auf meine Anfrage sagt der Senat selbst, dass die Mittel nicht ausreichen. Von der 25%igen Budgeterhöhung sollen nun 15 neue Professuren finanziert werden. Wenn gleichzeitig die Zahl der Studenten von derzeit 7.500 auf 10.000 oder gar 15.000 steigt, verschlechtert sich die Betreuungssituation auch noch. Keine gute Perspektive.

Eine der drängendsten Fragen für Hamburger Studenten ist stets die Wohnungssituation. Das gilt auch für den südlichen Bereich unserer Stadt rund um die TU Hamburg in Harburg. Die rund 500 Plätze in den Studentenwohnheim sind dort über Jahre nahezu komplett belegt und schon lange nicht mehr ausreichend. Ohnehin bräuchte Hamburg mindestens 1.800 neue Wohnheimplätze. Doch konkrete Planungen für den Bau neuer Wohnheime im Hamburger Süden gibt es nicht, wie der Senat nun auf meine Nachfrage bekannt geben musste..

Ob nun 2.500 oder 7.500 zusätzliche Studenten, SPD und Grüne machen da unterschiedliche Angaben: es braucht dafür nicht nur mehr Wohnheimplätze, sondern wenigstens auch eine zweite Mensa. Die einzig bestehende Einrichtung in Harburg ist lediglich für 2.000 Gäste pro Tag ausgelegt. Doch auch hier: konkrete Planungen zur Erweiterung oder für den Bau einer zusätzlichen Mensa gibt es nicht.

Schließlich gilt dies auch in Bezug auf die räumliche Infrastruktur für Forschung und Lehre. Frühestens im Sommer soll ein externes Gutachten vorliegen, welches untersucht, wo räumliche Entwicklungsmöglichkeiten für die TUHH in Harburg bestehen. Bis dann irgendwann vielleicht einmal gebaut wird, vergeht wohl noch eine geraume Zeit. Und die Schlafmützigkeit, mit welcher der Senat manch ein Thema behandelt, lässt da einen langen, weit entfernten zeitlichen Horizont aufscheinen.

Bezüglich der inhaltlichen Entwicklung der TU Hamburg lässt sich an dieser Stelle noch nicht viel sagen. Die Universität wird sich mit ihrem neuen Präsidenten im Verlauf des Jahres mit dem Thema auseinandersetzen. Sicherlich bietet die TU viel Potential für Kooperationen mit der Industrie in Norddeutschland und könnte sich gerade in IT-Themen profilieren.

Zum jetzigen Zeitpunkt muss man leider feststellen, dass der mit großen Worten angekündigte Ausbau der TU Hamburg eher rot-grüne Utopie ist. Das hat auch die Debatte in der Bürgerschaft am 31. Januar deutlich gemacht. Leider war weder die Bürgermeister noch die zuständige Wissenschaftsbehörde dabei vertreten. Gemeinsam mit der CDU-Fraktion werde ich mich weiter für eine starke TUHH engagieren, das Potential ist da, die Chancen müssen nur genutzt, und eben auch finanziert werden.