Bürgerschaftsabgeordneter für Lokstedt, Niendorf und Schnelsen | Wissenschaft & Digitale Wirtschaft

Blockchain – ein Wort, das nach wie vor bisweilen Kopfschütteln oder Unverständnis auslöst. Den meisten fällt zum Thema Blockchain lediglich die Kryptowährung Bitcoin ein – dabei hat diese Zukunftstechnologie durch ihre Dezentralität und Fälschungssicherheit weitaus mehr Potenzial, als für ein paar wenige Teilnehmer eine Onlinewährung zu schaffen. Dieses Potenzial müssen wir in einer zunehmend globalisierten, vernetzten und digitalen Welt nutzen, um bei dieser Schlüsseltechnologie nicht abgehängt zu werden.

Das sieht auch der Hamburger Wirtschaftsrat so und hat bereits im vergangenen Jahr in einem Positionspapier erklärt, dass Distributed Ledger Technologien wie Blockchain einen zentralen Erfolgsfaktor bei der digitalen Transformation darstellen können. Für den Hamburger Wirtschaftsstandort würde die Etablierung solcher Technologien viele Vorteile mit sich bringen, weswegen ich mich seit längerem für einen Ausbau Hamburgs zum Blockchain Hub einsetze. Einen entsprechenden Antrag dazu habe ich gemeinsam mit der CDU-Fraktion Mitte Oktober 2018 in die Bürgerschaft eingebracht.

Anwendungsfelder für Blockchain

Nachdem die rot-grüne Landesregierung lange sehr zögerlich bei dem Thema war, hat sich nun endlich etwas getan. Auf Beschluss der Hamburgischen Bürgerschaft hat die Wirtschaftsbehörde nun skizziert, welche Anwendungsfelder für Blockchain denkbar wären. An ein paar ausgewählten Beispielen möchte ich nachfolgend aufzeigen, wo die Blockchain Technologie besonders großes Potenzial hat, die Digitalisierung im Alltag voranzubringen.

Mobilität, Logistik und Handel

Automatisiertes und vernetztes Fahren setzt einen sicheren Datenaustausch voraus: Kein Fahrer möchte in ein Fahrzeug einsteigen, wenn der Datenaustausch der autonomen Systeme nicht vor fremden Eingriffen absolut sicher ist. Hier kann die Blockchain künftig eine wichtige Rolle dabei spielen, Sicherheitsaspekte und Datenschutz miteinander zu vereinen. Aber nicht nur einzelne Fahrzeuge sondern der ganze Verkehr muss künftig smart gesteuert werden, um Staus zu vermeiden. Die Steuerung von Ampeln, intelligenten Fahrspuren und der Navigationsroute kann durch eine Blockchain-Lösung dezentral, automatisch und sicher erfolgen.

Und auch für den Hamburger Hafen ist ein Einsatz denkbar. Die Logistikkette in der globalisierten Weltwirtschaft ist oft kompliziert und zeitgleich auch bei hohem Warenwert sensibel. Durch eine Blockchain-Lösung, die Frachtdokumente digitalisiert, kann nicht nur die Sicherheit erhöht werden, sondern auch Bürokratie abgebaut werden. Das gilt natürlich nicht nur für den Handel im Hafen, sondern kann ganz allgemein auf alle Lieferketten angewendet werden.

Energiehandel und Stromnetze

Die Energiewende bringt zahlreiche Herausforderungen mit sich. Wie bringen wir den Windstrom aus dem Norden in den Süden, wie fängt das Stromnetz Windstille oder flächendeckenden Schatten auf? Und wie können wir an sonnigen und windigen Tagen einfach unseren überschüssigen Strom verkaufen? Hierfür braucht es nicht nur eine automatisierte digitale sondern vor allem eine sichere Lösung, da Energienetze mittlerweile auch durch Cyberattacken gefährdet sind.

Industrielle Produktion und Urheberrecht

Schon lange sind viele Produktionsschritte in der Industrie automatisiert. Wenn jedoch verschiedene Produktionsabschnitte Hand in Hand gehen sollen, braucht es wiederum eine digitale Lösung, die sicherstellt, dass keine Daten in die falschen Hände geraten, um Raubkopien zu erschweren. Durch ein digitales Lizenzmanagement kann aber nicht nur die Herstellung von Raubkopien erschwert werden, nichtoriginale Ware kann aber durch die Zertifizierung mittels Blockchain entlarvt werden. Das spannende hierbei: Das digitale Lizenzmanagement hat ein breites Anwendungsspektrum und ist sowohl denkbar für den Urheberrechtsschutz von Musik und Filmen als auch für die Originalitätsprüfung industriell gefertigter Produkte.

Gesundheitswirtschaft

Kaum ein Bereich ist so sensibel wie die eigene Gesundheit. Entsprechend hoch sind die Datenschutzhürden für Gesundheitsdaten und die Skepsis bei der e-Akte, auch wenn das Nutzungspotenzial unbestritten hoch ist – kein Patient sollte mehr mit CD-ROMs von Röntgenaufnahmen zwischen zwei Arztpraxen hin und herfahren müssen. Eine zentrale Speicherung aller Patientendaten jedoch birgt viele Risiken, die nur wenige bereit sind, in Kauf zu nehmen. Hier kann eine Blockchain-Lösung dank ihrer Dezentralität sensible Daten sicher verwalten.

Was bleibt am Ende?

Die vielen aufgezeigten Felder zeigen das enorme Potenzial der Blockchain. In vielen Bereichen ist die Forschung gerade erst in den Kinderschuhen, nicht jede Idee wird sich am Ende garantiert als praxistauglich erweisen. Doch gerade weil das Potenzial so riesig ist, dürfen wir uns neuen Technologie nicht verschließen, sondern müssen sie erforschen und diese Forschung auch ausreichend finanzieren. Das wiederum erfordert ergebnisoffene Forschung an den Hochschulen, ausreichende finanzielle Förderung von Pilotprojekten an der Schnittstelle zur Praxis und vor allem den politischen Willen, diese Themen voranzubringen. Als Fachsprecher für digitale Wirtschaft und Wissenschaft werde ich zusammen mit der CDU-Bürgerschaftsfraktion den rot-grünen Senat die kommenden Wochen und Monate genau kontrollieren, ob den nun erfolgten Ankündigungen auch Taten folgen. Wer mich dabei unterstützen möchte, schreibt mir einfach per Mail oder spricht mich auf der BLOCKCHANCE Conference Mitte August an.

2 comments

  1. Reply

    Johannes Hinckeldeyn 29. Juni 2019 at 21:51

    Der Blockchain-Hype ist erst einmal vorbei, zumindest teilweise. Zum Glück ist das so, weil nun ernsthaft über Ideen diskutiert wird und nicht darüber, wie man viel Geld mit dem nächsten ICO machen kann. Ideen und Use-Cases gibt viel, zu viele. Immer noch, Viele davon sind nicht per se schlecht, brauchen aber nicht unbedingt eine Blockchain, denn der dafür notwendige Bedarf für ein Vertrauensmodell existiert nicht. Das ist nicht schlimm, weil sich dann oftmals eine andere Digitalisierungslösung anbietet.

    Forschung hat zum Thema Blockchain drei Aufgaben: 1) Grundlagenforschung für die Weiterentwicklung der Technologie als solche, z.B. im Bereich der Kryptographie und Verteilten Systeme, 2) Anwendungsforschung, welche kritisch neue Ideen und Use-Cases bewertet und 3) Etablierung von Standards, Referenzmodellen und Richtlinien.

    Von der Politik erwarte ich nicht unbedingt neue Use-Cases sondern Rechtssicherheit. Eine Blockchain soll Vertrauen schaffen. Wie soll sie das wenn die Rechtssicherheit der darin abgelegten Daten unklar ist? Wenn ich als Unternehmen beispielsweise weiß, dass ein Wirtschaftsprüfer die Echtheit eines Dokumentes in einer Blockchain anders einschätzt als in einer üblichen Datenstruktur, dann hilft das. Dazu muss allerdings geregelt sein unter welchen Bedingungen einer Blockchain Vertrauen entgegengebracht werden kann. Keine Blockchain ist fälschungssicher, auch wenn das oft behauptet wird. Sie ist widerstandsfähig gegenüber Manipulation, je nachdem wie sie angelegt. Manche mehr und manche weniger. Ich bin gespannt, ob und wann die Politik zum Thema Rechtssicherheit einen Beitrag leisten wird.

    • Reply

      Carsten Ovens 7. Juli 2019 at 14:00

      Moin Herr Hinckeldeyn,

      haben Sie vielen Dank für Ihren ausführlichen Kommentar.

      Der Hype um die Blockchain mag zwar vielleicht abgekühlt sein. Dies sollte meiner Meinung nach aber kein Gradmesser für die Politik sein, sich mit einem Thema zu beschäftigen oder nicht. Es gibt in der Tat viele Use Cases, und ich bezweifle ebenfalls, dass sich für jede dieser Ideen am Ende eine Blockchain-Lösung in der Praxis bewährt. Wie Sie völlig richtig schrieben, gibt es eine Fülle von anderen Digitallösungen, die sich anstelle einer Blockchain durchsetzen können. Das sollte uns aber nicht davon abhalten, diese Technologie ergebnisoffen zu begleiten. Ich glaube nämlich schon, dass der notwendige Bedarf für ein Vertrauensmodell bei einigen Use Cases hoch ist und perspektivisch eher steigen als fallen wird.

      Bei Ihren Punkten zur Forschung zum Thema Blockchain stimme ich Ihnen zu. Ihre Ausführungen zur Rechtssicherheit fand ich sehr interessant. Vielleicht haben Sie Interesse, diese Gedanken einmal in einem persönlichen Austausch fortzuführen? Melden Sie sich dazu gerne per E-Mail bei meinem Büro.

      Beste Grüße
      Carsten Ovens

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