Bürgerschaftsabgeordneter für Lokstedt, Niendorf und Schnelsen | Wissenschaft & Digitale Wirtschaft

Sechsmal im Jahr lädt der Bürgerverein Hoheluft-Großlokstedt von 1896 e.V. zum Infonachmittag in die Kursana Residenz nach Niendorf-Nord. Seit 2012 habe ich die Freude, die Infonachmittage des Bürgervereins leiten zu dürfen. Bei unserem letzten Treffen war auf meine Einladung der Journalist Werner Langmaack zu Gast. In einer kurzweiligen Vorstellung präsentierte er uns sein Buch „Unser Teilzeitparlament: Wie die Hamburgische Bürgerschaft tickt“.

Auf rund 200 Seiten gibt Herr Langmaack einen guten Überblick über die Arbeit und Funktionsweise unseres Landesparlaments und darüber hinaus auch einen Abriss über die Geschichte der Bürgerschaft. So kommt zum Beispiel unser ehemaliger Erster Bürgermeister Ole von Beust zu Wort und auch ich selbst durfte beim Buchprojekt als Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft mitwirken und Einblicke in die aktuelle Arbeitsweise des Parlaments geben.

Doch wie kommt man überhaupt dazu, ein Buch über unser Landesparlament zu schreiben? Was fiel ihm besonders auf? Und wie steht es seiner Meinung nach um unsere Demokratie in Hamburg? Dazu habe ich im Nachgang an unsere spannende Diskussion beim Infonachmittag schriftlich ein paar Fragen zum Nachlesen hier im Blog gestellt.


Was hat Sie eigentlich angetrieben, als Sportjournalist ein Buch über die Hamburger Politik zu schreiben?

Sportjournalisten sind ja auch Bürger und interessieren sich nicht nur für Tore, Rekorde und Championate. Ich selbst bin in den 1960er und 70er-Jahren politisiert worden und habe an der Hochschule für Wirtschaft und Politik studiert. Ich fand das Thema Bürgerschaft allgemein spannend und wollte mit einem leicht lesbaren Buch einen Beitrag zur Stützung der demokratischen Grundordnung in Deutschland leisten, die sich ja wachsenden Bedrohungen aus der rechten, nationalistischen Szene ausgesetzt sieht. Außerdem finde ich, dass die Arbeit der Landes- und Kommunalpolitiker unterschätzt und oft zu negativ dargestellt wird. Die meisten sind sehr engagiert und fleißig.

Was waren Ihre positiven Eindrücke aus unserem Hamburger Landesparlament?

Die Lebhaftigkeit, mit der dort debattiert wird und die Vielfalt der Themen. Es ist verblüffend, mit welcher Detailliertheit und Sachkenntnis in der Bürgerschaft und ihren Ausschüssen gearbeitet wird. Also: Wer wissen will, was in der Stadt läuft, was gerade strittig ist, wer wessen Interessen vertritt, der sollte mal eine Bürgerschaftsdebatte live im Internet verfolgen. Der Aufwand hält sich in Grenzen: Das Parlament tagt im Schnitt nur zweimal pro Monat, die Sommerpause nicht mal mitgerechnet.

Welche Dinge sind in der Hamburgischen Bürgerschaft möglicherweise verbesserungswürdig?

Der Meinungskorridor der Fraktionen scheint mir unnötig verengt. Zu kleinteilig erfolgen Festlegungen in den Gremien der Parteien, zu viele Positionen werden vorformuliert. Zu vieles unterliegt dem Fraktionszwang, zu viele Debatten sind daher in ihrem Verlauf vorhersehbar. Ließe man den einzelnen Abgeordneten mehr Luft für autarkes Denken und abweichende Ansichten, käme das der Parlamentskultur sicher zugute. Und manche dürften gern etwas an ihrer Rhetorik feilen.

Gibt es etwas, was Sie in Ihren Recherchen überrascht hat?

Ich fand es bemerkenswert, dass die Abgeordneten einander jenseits der politischen Grunddifferenzen offenbar schätzen. Es herrscht in der Bürgerschaft ein gutes Betriebsklima über die Parteigrenzen hinweg. Das gilt natürlich nicht für alle und jeden, aber im Großen und Ganzen geht man schon freundlicher miteinander um, als die mitunter scharfen Formulierungen der Debattenredner es vermuten lassen.

Was kann die Bürgerschaft machen, um sich selbst besser darzustellen?

Ich glaube, die Möglichkeiten sind beschränkt. Würde das Parlament seine „Performance“ grundlegend verändern, setzte es womöglich seine Seriosität und Glaubwürdigkeit aufs Spiel. Politik ist nun mal kein Showbusiness.

Als Fazit: Wie steht es Ihrer Meinung nach um unsere Demokratie in Hamburg?

Es hilft nicht, ständig Menetekel an die Wand zu malen. Ich glaube, solange keine massiven, existentiellen Bedrohungen die Mehrheit der Hamburgerinnen und Hamburger aufschreckt, dürfte die Demokratie in dieser Stadt gefestigt sein. Aber die Freiheit zu bewahren, bedarf eines dauernden Engagements. Verlass ist auf nichts, Wachsamkeit bleibt geboten. Dass der HSV mal für länger als ein Jahr aus der Bundesliga absteigen würde, hat vor nicht allzu langer Zeit auch niemand für möglich gehalten.


Übrigens, das Buch „Unser Teilzeitparlament: Wie die Hamburgische Bürgerschaft tickt“ von Werner Langmaack gibt es in jedem Hamburger Buchladen um die Ecke zu kaufen. Und wer nicht in Hamburg wohnt, kann sich das Buch auch im Internet bestellen, beispielsweise beim Büchereck Niendorf Nord.

Wenn nach der Lektüre noch Fragen offen sind, wie unser Parlament funktioniert oder was genau meine Arbeit als Abgeordneter der Hamburgischen Bürgerschaft ist, kann mich natürlich jederzeit per Mail einfach selbst fragen oder kommt zu einer meiner Veranstaltungen im Wahlkreis oder im Hamburger Rathaus vorbei.

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