Bürgerschaftsabgeordneter für Lokstedt, Niendorf und Schnelsen | Wissenschaft & Digitale Wirtschaft

Die Geschichte des Niendorfer Gehege bietet Stoff für viele, viele Romane … und für die Kommunalpolitik. Objekt eines neueren Streits ist die alte Mutzenbacher Villa, das Grundstück Bondenwald 110a. Kurz vor den letzten Wahlen, im Januar 2011 forderte die SPD den Abriss dieses historischen Gebäudes.

Gemeinsam mit der Linkspartei und der GAL wurde damals gegen die Stimmen von CDU und FDP ein Antrag in den Ortsausschuss Lokstedt eingebracht und verabschiedet, in dem der Abriss der Villa gefordert wird, sofern in 2011 nicht ein neuer Nutzer gefunden wird. Hintergrund: die Villa ist zwar in den Grundmauern sehr gut erhalten, aber dennoch Sanierungsbedürftig. Die Kosten werden vom Denkmalschutzamt auf wenigstens 500.000€ geschätzt. Zwar gibt es einen Mieter sowie einige Interessenten, die das Gebäude zukünftig nutzen möchten und sanieren würden, doch dies scheint der regierenden SPD ein Dorn im Auge. In einer Anfrage der GAL heißt es am 20.2. lapidar: “eine einvernehmliche Lösung (mit den potentiellen neuen Nutzern) konnte jedoch bisher nicht realisiert werden”.

Möchte die SPD das alte Herrenhaus lieber dem Erdboden gleichmachen, ein Stück Kulturgut unserer Stadt vernichten, und anschließend das Grundstück aufforsten? So scheint es, zumindest setzten die Genossen dies im Ortsausschuss Lokstedt 2011 mit einer linken Mehrheit durch. Einen Antrag der Verwalterin SAGA GWG auf Löschung des Objekts an das Denkmalschutzamt wurde bereits gestellt aber glücklicher Weise im September 2011 zurückgewiesen.

Die CDU spricht sich weiterhin klar gegen den Abriss aus. Es muss möglich sein, eine waldnahe und naturverträgliche Nutzung zu finden. Denkbar sind beispielsweise eine waldpädagogische Einrichtung, wie ein Waldkindergarten, aber auch Ausstellungsräume. Gemeinsam mit der CDU-Bezirksfraktion setze ich mich für eine Lösung ein. Der Regierungskoalition aus SPD und GAL bieten wir die Zusammenarbeit an, um eine Lösung für den Erhalt des Gebäudes und damit einen neuen Nutzer zu finden. Gleichzeitig muss es einen neuen Dialog mit allen Anwohnern, Verbänden und Vereinigungen rund um das Gehege geben, um die Zukunft der grünen Oase ebenso wie die kulturgeschichtlichen Zeitzeugen, die historischen Gebäude und Anlagen für die kommenden Generationen zu sichern.

Neue Bewegung in die Sache kommt nun vielleicht durch eine Präsentation des Denkmalschutzamts. Am 21.02. referierten Vertreter des Amts im Ausschuss für Wirtschaft, Arbeit & Kultur und sprachen sich klar für einen Erhalt des Gebäudes aus. Gemeinsam mit der CDU forderte nun auch die GAL den Erhalt des Gebäudes. Bleibt zu hoffen, dass die regierende SPD nun endlich reagiert und sich für den Erhalt dieses kulturellen Kleinods stark macht.

Foto: Mutzenbecher Villa im Niendorfer Gehege (Quelle: www.panoramio.com)

  • D. West

    Erstaunlich, dass gerade SPD, GAL u. Linke sich auch hier wieder mal einig sind, wenn es darum geht, historisch wertvolle Gebäude zu zerstören. Da kann einem ja die CDU richtig sympathisch werden – und das soll bei mir schon was heißen.

    Auch ich muss schon seit Jahren schmunzeln, wenn man in Hamburg immer scheinheilig das durch den Krieg zerstörte Kulturgut per Krokodilstränen beweint, während doch jeder weiß, was alles nach dem Krieg durch irgendwelche Investoren und Konsorten einfach abgerissen wurde. Wenn ich mir alte Bilder von HH 1955, 1965 oder 1975 anschaue, weiß ich, was alles so an wunderschönen Häusern in Hamburg entsorgt wurde.

    Wut kommt auch immer wieder auf, wenn ich die seelenlosen Beton-Stahlbauten in der Hafen-City betrachte, die wirkliche Sehenswürdigkeiten wie die Speicherstadt durch ihre Hässlichkeit nun in den Hintergrund stellen. Das gleiche gilt auch für diverse entsorgte Alt-Gebäude, wie z. B. die Polizeiwache (Wasserschutzpolizei) gegenüber “AmSandtorkai 1”, an der ehemaligen Kreuzung Richtung Freihafen. Heute steht da auch so ein „schicker“ seelenloser Glas-Beton-Kasten!

    Ich bin nicht der einzige Mensch in und um Hamburg, egal welcher politischen Richtung, der sich über diesen „rotzigen“ Umgang der Bürgerschaft mit alten Sehenswürdigkeiten und Kulturgut im Deal mit gewissen Investoren etc. beklagt! Aber Hauptsache, der Senat schafft Freizonen (auf Steuerzahlerkosten) für sogenannte Graffiti-„Künstler!

    • Vielen Dank für Ihren Eintrag.

      Sicherlich lässt sich über den Erhaltsungswert alter Bausubstanz vortrefflich streiten, ebenso wie über die architektonische Gestaltung von neuen Quartieren. Grundsätzlich finde ich es jedoch, genau wie Sie, bedenkenswert, wenn gar nicht erst der Versuch unternommen wird, historische Gebäude zu erhalten.

      Wenn Ihnen weitere betroffene Baudenkmäler einfallen, geben Sie mir gerne bescheid und ich vermittle den Kontakt zu den zuständigen Kollegen vor Ort. Immer häufiger wird die Kommunalpolitik vom SPD-Senat vor vollendete Tatsachen gestellt. So mussten wir beispielsweise im Fall der Mutzenbecher Villa aus dem Niendorfer Wochenblatt erfahren, dass das Gebäude nun verkauft werden soll.

      Ihr
      Carsten Ovens

  • Als engagierter und besorgter Bürger, bin ich entsetzt dass nach wie vor, und das seit Jahrzehnten, die Baukultur in Hamburg, schändlich behandelt wird. Der Mangel an
    kunsthistorisch wertvollen Gebäuden liegt nicht allein, in den Zerstörungen des Krieges,
    sondern auch in der ausgeprägten Ignoranz, sich für die Gebäudeerhaltung rechtzeitig einzusetzen.
    Entlang der Elbchaussee verschwindet ein Haus nach dem anderen, zugunsten schlecht gemachter Pseudo- Bauhausarchitektur – mit weissen Plastikfassaden- das gleiche passiert rund um die Außenalster und einzelne Bauwerke werden häufig ohne dass es die Öffentlichkeit mitbekommt sang und klanglos entsorgt. So wird es der o.ä. Mutenbecher Villa ergehen, allerding ist diese Gebäude ja bekanntlich nicht das einzige erhaltenswerte,dass dem Verfall ausgeliefert wird- Auch die Amsinck-Villa verfällt oder das Herrenhaus im Baurspark – wurde jahrelang dem Verfall preisgegeben. Es ist traurig, dass ständig von wachsender Stadt gesprochen wird, allerdings um welchen Preis. Ich kann gut nachvollziehen dass viele gerade junge und kreative Menschen den Weg von Hamburg nach Berlin suchen. Die Situation wird immer unerträglicher !
    Verschenken Sie doch die Mutzenbecher Villa !

    Mit freundlichen Grüßen
    Andreas Delfs