Bürgerschaftsabgeordneter für Lokstedt, Niendorf und Schnelsen | Wissenschaft & Digitale Wirtschaft

Die Erinnerungskultur ist ein wichtiges Element für die fortgesetzte Aufarbeitung der nationalsozialistischen Geschichte Deutschlands. Auch mehr als 70 Jahre nach dem Ende dieses dunklen Kapitels deutscher Geschichte bleibt die Erinnerungskultur von grundlegender Bedeutung, um Rechtspopulismus sowie Ressentiments beispielsweise gegenüber ausländischen Mitbürgern und anderen Religionen in unserer Gesellschaft entgegenzuwirken.

Nach einer langen Zeit des Verschweigens und der Verdrängung, die bis in die 1970er Jahre reichte, wird heute in Hamburg in vielfältiger Weise an die Zeit des Nationalsozialismus und die Opfer des NS-Regimes erinnert. Gegen die Anfälligkeit für „braunes Gedankengut“ ist das Wissen um die Verbrechen der Nationalsozialisten eine wichtige Voraussetzung. So ist es von entscheidender Bedeutung, dass die Erinnerungskultur insbesondere jungen Menschen in der Schule nähergebracht wird.

Aus einer aktuellen Umfrage der Hamburger Körber-Stiftung geht jedoch hervor, dass nur noch 59 Prozent der deutschen Schüler ab 14 Jahren wissen, dass Auschwitz-Birkenau ein Vernichtungslager der Nazis war. Vier von zehn Schülern kennen nicht einmal den Namen der Einrichtung, in der bis Kriegsende über eine Millionen Menschen ermordet wurden. Aus diesem Grund gilt heute mehr denn je, dass eine fundierte Erinnerungskultur wichtig ist, um einem aufkeimenden Antisemitismus entgegenzuwirken.

Unter den CDU-Senaten wurden in Hamburg einige wichtige Projekte zur Stärkung der Erinnerungskultur auf den Weg gebracht. Besonders hervorzuheben sind ein 2009 von der KZ-Gedenkstätte Neuengamme in Zusammenarbeit mit der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg publiziertes Buch zum Thema „Wegweiser zu den Stätten der Erinnerung an die Jahre 1933-1945“ sowie im gleichen Jahr auf Initiative des CDU-Senats ein „Gesamtkonzept für Orte des Gedenkens an die Zeit des Nationalsozialismus 1933-1945“. Auf meine Anfrage hin hat der Senat nun eine Auflistung verschiedener Projekte der Erinnerungskultur veröffentlicht.

Auch in der Opposition bleibt die CDU hier engagiert. So habe ich mich mit der Bürgerschaftsfraktion immer wieder für eine Sensibilisierung beim Thema Antisemitismus eingesetzt. Beispielsweise wurde die BDS-Bewegung (Boycott, Divestment and Sanctions) vom CDU-Bundesparteitag 2016 als antisemitisch eingestuft. Daraufhin hat sich auch die Hamburgische Bürgerschaft mit diesem Thema befasst. Traurig ist jedoch, dass SPD und Grüne unseren Vorschlag einer Antisemitismus-Meldestelle für Hamburg, welche bereits in Berlin existiert und dort großen Andrang hat, im Sozialausschuss ablehnten. Vermeintlich würde es bereits ausreichend Beratungsstellen für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt geben.

Vor diesem Hintergrund ist es sehr zu begrüßen, dass die CDU-geführte Bundesregierung eine neue Arbeitsdefinition für den Begriff Antisemitismus auf den Weg gebracht hat. Das Bundeskabinett hat die von der Internationalen Allianz für Holocaust-Gedenken (IHRA) verabschiedete Arbeitsdefinition von Antisemitismus in einer erweiterten Form zur Kenntnis genommen. Sie lautet: „Antisemitismus ist eine bestimmte Wahrnehmung von Juden, die sich als Hass gegenüber Juden ausdrücken kann. Der Antisemitismus richtet sich in Wort oder Tat gegen jüdische oder nicht-jüdische Einzelpersonen und/oder deren Eigentum, sowie gegen jüdische Gemeindeinstitutionen oder religiöse Einrichtungen. Darüber hinaus kann auch der Staat Israel, der dabei als jüdisches Kollektiv verstanden wird, Ziel solcher Angriffe sein.”

Gemeinsam mit der CDU Hamburg werde ich mich auch in Zukunft gegen Antisemitismus engagieren. Es gilt auch 70 Jahre nach dem Ende des Holocaust und zu einem Zeitpunkt, in dem die letzten Zeitzeugen von uns gehen, die Erinnerung für die nächsten Generationen aufrecht zu erhalten.

3 comments

  1. Reply

    Sandra Kreisler Wortfront 4. Januar 2018 at 09:49

    Wie wärs denn mal dann damit, sich gegen die Abhaltung des Presseballs am Holocaust-Gedenktag zu engagieren?

    • Reply

      Carsten Ovens 4. Januar 2018 at 09:53

      Ein guter Hinweis. Ich finde das gewählte Datum sehr kritisch. Auch die Bürgerschaftspräsidentin hat sich bereits dazu geäußert.

      • Reply

        Sandra Kreisler Wortfront 4. Januar 2018 at 09:54

        Das freut mich zu lesen! Dann werden wir ja bald über eine hitzige Diskussion zum Thema erfahren. 🙂

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